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Weichsel

  
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Weichsel

Die Weichsel ist ein Fluss in Polen. Sie entspringt in den Westbeskiden auf dem 1.214 m hohen Widderberg und mündet nach 1.047 km in der Danziger Bucht in die Ostsee. Die Weichsel bildet dabei ein Flussdelta. Auf alten Landkarten schrieb man auch Wixel oder Wissel.
 
Basisdaten:
Geographische Lage: Polen
Länge: 1047 km
Quelle: Schlesische Beskiden bei Wisla
Mündung: Ostsee bei Danzig
Quellflüsse: Schwarze Weichsel und Weiße Weichsel
Abflussmenge: 1090 m³/s
Einzugsgebiet: 200 000 km²
Großstädte: Krakau, Warschau, Bydgoszcz, Torun, Danzig
 
Quelle und Flussverlauf:
 
Die Weichsel entspringt in den Schlesischen Beskiden am 1214 m hohen Barania Góra. Nachdem er das Gebirge verlassen hat, wendet sich der Strom nach Osten, wo er ein Stück weit die historische Grenze zwischen Oberschlesien und Kleinpolen bildet.

Die Weichsel fließt ostwärts durch eine tektonische Senke, die nördlich von der Krakau-Tschenstochauer Höhe und dem Kielcer Bergland begrenzt wird, südlich vom Beskidenvorland, danach östlich vom Lubliner Hügelland. Die Weichsel fließt ca. 70 km nach dem Stausee durch die alte Königsstadt Krakau. Von Niepolomice bis etwas unterhalb der Mündung des San war die Weichsel von 1815 bis 1916 die Grenze zwischen dem österreichischen Galizien, 70 km dahinter mündet der Karpatenfluss Dunajec. Kurz hinter Sandomierz mündet von den Karpaten kommend der San in die Weichsel, weiter nördlich erreicht die Weichsel das polnische Tiefland.

Die Weichsel gelangt kurz hinter Warschau in ein Gebiet überwiegend ostwestlich ausgerichteter Urstromtäler. Durch diese fließen ihr Bug und Narew zu, die sich kurz vorher vereint haben. Nun wendet sich die Weichsel stark nach Westen, wo sie Plock, Dobrzyn, Wloclawek und Torun passiert. Seit 1970 besteht bei Wloclawek ein großes Stauwehr mit Wasserkraftwerk. Bei Bydgoszcz verlässt die Weichsel das große ostwestliche Urstromtal und durchbricht den baltischen Landrücken. Am Mittellauf wurden zum Ende des 20. Jahrhunderts um die Schiffbarkeit zu verbessern umfangreiche Regulierungsmaßnahmen durchgeführt

Der Einstrom der Weichsel in die Ostsee wurde durch den Dünenrücken der Danziger Binnennehrung versperrt, zwischen Landrücken und Dünenrücken hat sich ein Delta gebildet. Kurz hinter Gniew zweigt die Nogat nach Osten ab, kurz vor dem Dünenrücken verzweigte sich natürlicherweise der Hauptstrom der Weichsel in die Elbinger oder Königsberger Weichsel. Diese mündet ebenfalls ins Frische Haff und war bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts der Hauptstrom. Weiterhin die Danziger Weichsel, die bei Danzig den Dünenrücken durchbrach und in die Danziger Bucht mündete.

1840 entstand ein neuer Dünendurchbruch auf halbem Wege zwischen der Gabelung und Danzig bei einem Hochwasser. Daraufhin versandete der westliche untere Teil des alten Mündungsarms. Von 1889 bis 1895 wurde dann bei der Gabelung ein künstlicher Durchbruch durch den Dünenrücken gestochen. Dies sollte die Hochwassergefährdung des Weichseldeltas vermindern. Seitdem der überwiegende Teil des Weichselwassers durch den Weichseldurchbruch in die Ostsee strömt, versandet die Danziger Weichsel insgesamt. Deshalb wird sie heute Martwa Wisla (Tote Weichsel) genannt. Der östliche Weichselarm Szkarpawa hat ein Delta ausgebildet, dessen nördlichster Arm weiterhin Wisla Królewiecka (Königsberger Weichsel) genannt wird.
 
Verkehr:
Unterhalb des Stausees von Goczalkowice ist die Weichsel schiffbar.
 
Tier- & Pflanzenwelt:
 
Die Weichsel bildet eine Landschaft, die in Europa nirgendwo mehr anzutreffen ist. Ihr Verlauf wurde kaum verändert und man kann noch die Entstehung von Inseln und das Auswaschen der Ufer beobachten. Die Weisel durchquert das gesamte Polen von den Beskiden im Süden bis nach Danzig im Norden. Der Fluss beheimatet viele Säugetiere, wie die seltenen Fischotter sowie zahlreiche Biber und Bisamratten. Den größten Reichtum der Weichsel bilden seine seltenen und teilweise vom Aussterben bedrohten Vogelarten.
 
Geschichte:
 
Bisher gibt es keine einhellige Meinung darüber, ob der Name Weichsel indoeuropäischer oder prä-indoeuropäischer Herkunft ist. Im Jahr 44 n. Chr. erwähnte Pomponius Mela die "Visula", Plinius nannte 77 n. Chr. ausdrücklich zwei Namen in seiner Naturgeschichte. Der Vistla-Fluss floss demnach in das Mare Suebicum, die heutige Ostsee. Außerdem bezeichnete er die Weichsel als den Grenzfluss zwischen dem germanischen und sarmatischen Einflussgebiet. Die zu der Zeit von Plinius im Weichselgebiet lebenden Ostgermanen bezeichnete er als Vandili (Vandalen), und nannte als Teilstämme Burgodiones (Burgunder), Varinnae, Charini und Gutones (Goten). Die Goten hatten sich im erst letzten Jahrhundert vor der Zeitenwende an der unteren und mittleren Weichsel angesiedelt, begannen aber schon um 200 n. Chr. wieder abzuwandern. Ab dem 5. Jahrhundert sind sie dort nicht mehr nachzuweisen.

Abgesehen von Wanderungsbewegungen änderten sich auch die Bezeichnungen: Tacitus bezeichnete in seiner Germania die östlich der Weichselmündung wohnenden Aesti oder Aisti als Germanen. Er wies jedoch auch darauf hin, dass sie eher britisch sprächen und unterschied sie von den Suebi. Ab dem 5. bis 6. Jahrhundert n. Chr. sind an der Weichsel slawische Siedlungen nachgewiesen. Nach heutigem Wissenstand war das Weichselbecken zwischen germanischer und slawischer Siedlungsperiode siedlungsleer.

Jordanes nannte den Fluss Viscla, als er im 6. Jahrhundert eine Chronik der Goten erstellte, etwa um 850 wurden die östlich der Mündung lebenden Preußen vom Bayrischen Geograph als "Bruz" erwähnt.

LEXO-Tags

Geographie Flüsse Europa Weichsel

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