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Eiger

  
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Eiger


Der Eiger (3.970 m) ist dem Hauptkamm der Berner Alpen nördlich vorgelagert und gehört zum Schweizer Kanton Bern. Er dominiert zusammen mit Mönch und Jungfrau bekannt als Dreigestirn die Landschaft des zentralen Berner Oberlandes. Erstmals wird der Name Eiger als "mons Egere" im Jahr 1252 urkundlich erwähnt.

Der Berg selbst erstreckt sich hauptsächlich in Nordost-Südwest-Richtung, er überragt das Tal bei Grindelwald-Grund um ca. 3.000 m und ist dem Schlechtwetter aus nordwestlicher Richtung besonders stark ausgesetzt.

Im Inneren des Eigers, mit einem Bahnhof und Fenstern in der Eiger-Nordwand, verläuft der Tunnel der Jungfraubahn. Die Passagiere können beim Halt an diesen Aussichtsfenster den Zug verlassen und die Aussicht aus der Nordwand heraus einige Minuten genießen. Die im Berg befindliche Station Eigerwand mit ihren Panoramafenstern hat schon einigen Bergsteigern das Leben gerettet.
Am Fusse der Eiger-Nordwand beginnt das UNESCO-Weltnaturerbe Jungfrau-Aletsch-Bietschhorn.
 
Geologie
Der Berg besteht ganz aus Kalk, speziell aus Sedimenten des Mesozoikums. Diese stehen hier am Nordrand des Aarmassivs steil aufgerichtet. Das Aarmassiv ist von Süden bis zum Nördlichen Eigerjoch über die Sedimente aufgeschoben, was eine geologische Rarität darstellt.
 
Besteigungen
Berühmt und berüchtigt ist der Eiger für seine schwer zu durchkletternde Nordwand mit einem Höhenunterschied von ca. 1.650 m. Erstmals versuchten am 17.07.1934 Willy Beck sowie Kurt und Georg Löwinger die Besteigung der Nordwand. Zwei Tage später hatten sie bereits eine Höhe von 2.900 m erreicht. Sie brachen den Versuch jedoch nach einem Sturz von Willy Beck ab, bei dem die anderen Männer mitgerissen wurden. Die Bergsteiger wurden über die Eigenfenster geborgen.

Einen weiteren Versuch unternahmen am 21.08.1935 die aus München stammenden Bergsteiger Karl Mehringer und Max Sedlmayr, die 5 Tage danach bei einem Schneesturm ums Leben kamen. Todesbiwak wurde später die Stelle genannt, an dem die beiden Bergsteiger mit einem Fernrohr letztmalig gesehen wurden.

Besonders tragisch verlief der Besteigungsversuch der Nordwand im Jahr 1936 durch Toni Kurz, Andreas Hinterstoisser, Edi Rainer und Willy Angerer über den Hinterstoisser-Quergang. Beim Abstieg wurden drei der Bergsteiger durch Steinschlag bzw. Lawinen getötet, nur Toni Kurz konnte den Abstieg zunächst fortsetzen, verstarb jedoch 3 m über seinen Rettern an Erschöpfung. Nach dieser Katastrophe wurde die Besteigung der Nordwand von den Schweizer Behörden vorübergehend verboten.

Der dramatische Erstbesteigungsversuch der Eiger Nordwand wurde von dem deutschen Regisseur Philipp Stölzl neu verfilmt und kam im Oktober 2008 in Deutschland und Österreich in die Kinos.

Erstmals wurde die Nordwand vom 21. bis 24.07.1938 durch eine deutsch-österreichische Seilschaft durchstiegen, die sich in der Wand vereinigt hatten. Die erste Winterbegehung der Nordwand gelang im Jahr 1961 Toni Hiebeler, Walter Almberger, Anderl Mannhard und Toni Kinshofer. Die erste Alleinbegehung bewältigte zwei Jahre danach der Schweizer Michel Darbellay.

Im Jahr 1968 gelang Reinhold Messner die Erstdurchsteigung des Eiger-Nordpfeilers, der zusammen mit Peter Habeler 1974 einen Geschwindigkeitsrekord von 10 Stunden bei der Besteigung der Nordwand aufstellte, 2008 kletterte die Seilschaft Roger Schäli und Simon Anthamatten die Route in 6 Stunden und 50 Minuten.

Die gängigste Route durch die Nordwand (Heckmair-Route) führt über folgende Stellen: Erster Pfeiler, Stollenloch, Schwieriger Riss, Hinterstoisser-Quergang, Erstes Eisfeld, Schwalbennest, Eisschlauch, Zweites Eisfeld, Bügeleisen, Todesbiwak, Drittes Eisfeld, Rampe, Wasserfallkamin, Rampeneisfeld, Brüchiges Band, Götterquergang, Spinne, Corti Biwak, Ausstiegsrisse und Gipfeleisfeld.

Direktrouten (Direttissime) führen im zentralen Wandteil empor (John-Harlin-Route, 1966), im rechten Wandteil (Japaner-Route, 1969) und im linken Wandteil (Tschechen-Route II, 1978). Der Ausstieg aus der Rampe direkt gegen die oberste Nordrippe konnte bisher noch nicht bewältigt werden. Der Hinterstoisser-Quergang wurde nach dem Bergsteiger Andreas Hinterstoisser benannt, der die Stelle am 18.07.1936 gemeinsam mit Toni Kurz meisterte.

Todesbiwak heißt ein Biwakplatz am oberen Ende des Bügeleisens. Der Götterquergang ist ein Quergang in der Eigernordwand zwischen Rampe und Spinne in etwa 3.600 m Höhe. Spinne wird ein Firnfeld in der Gipfelwand des Eigers genannt, wobei der Name sowohl das Aussehen wie auch das Wesen dieser Wand beschreibt. Rasch wechselnde Wetterbedingungen sowie Lawinen und Steinschlag wurden hier bereits vielen Bergsteigern zum Verhängnis.

Die Nordostwand, die von der Nordwand durch den Nordpfeiler getrennt ist, wurde im Jahr 1932 erstmals von dem Zürcher Lauper mit den Führern J. Knubel und A. Graven bestiegen. Die erste Durchsteigung der Südostwand gelang im Jahre 1937 den beiden Deutschen Otto Eidenschink und Ernst Möller.
 
Besonderheiten
An der Ostseite des Eiger entstand unterhalb des Mittellegigrates durch Felsbewegungen im Jahr 2006 ein ca. 250 m langer Spalt, der etwa 7 m breit wurde. Anschließend senkten sich die äußeren Teile bis zu mehrere cm pro Tag ab. Ursache dieser Felsabspaltung ist möglicherweise das massive Eindringen von Schmelzwasser in den Felsen bzw. die entstandene Instabilität durch den Rückgang des Gletschers unterhalb des Felsabbruchs. Diese Entwicklung ist auf die globale Erderwärmung zurückzuführen.

Am 13.07.2006 stürzten ca. 500.000 m³ Felsbrocken auf den Unteren Grindelwald-Gletscher ab, stundenlang schwebte danach eine Staubwolke über der Gemeinde Grindelwald. Bereits am selben Tag war die so gen. "Madonna vom Eiger" ins Tal gestürzt, ein etwa 30 m hoher, schlanker Felsturm mit einem Volumen von rund 600 m³. Insgesamt galten am Eiger 2 Mio. m³ als absturzgefährdet, die Bewegungen der Felsmassen verlangsamten sich jedoch im Jahr 2007.

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