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Karwendel

  
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Karwendel


Das Karwendel ist eine Gebirgsgruppe der Nördlichen Kalkalpen in den Ostalpen, Anteil daran haben Österreich und Deutschland. Der größte Teil des Gebirges befindet sich in Tirol, die Grenze zwischen Bayern und Tirol verläuft über die Nördliche Karwendelkette und durch das Vorkarwendel. Von West nach Ost ziehen sich 4 Gebirgsketten, hinzu kommen etliche Seitenketten und -gruppen sowie nach Norden ein weitläufiges Vorgebirge. Der Begriff Karwendel wird für das gesamte Gebirge zwischen Isar, Inn und Achensee verwendet.
 
Geologie
Das Gebirge besteht aus Kalkstein und Dolomit, die Hauptketten sind aus mächtigen Kalkbänken aufgebaut. Diese sind durch die Auffaltung nach Süden geneigt. In den Lalidererwänden ist der typische Bau des Karwendels besonders gut zu erkennen. Die Bruchkanten der Auffaltung bilden senkrechte, bis zu 1.000 m hohe Wände auf der Nordseite. Aus der sanfteren Südseite haben die Gletscher der Eiszeiten weite Kare ausgefräst. Diese werden durch mächtige Grate voneinander getrennt.
 
Fauna
Im Karwendel finden sich die üblichen Tierarten der Nördlichen Kalkalpe, insbesondere kann man in den hohen Karen oft große Gamsrudel beobachten. Im Sonnjochgebiet und auf der Nordkette wurden Steinböcke angesiedelt, die sich gut eingelebt haben.
 
Tourismus
Das Karwendel Gebirge zeigt einen ursprünglicheren und wilderen Charakter als die benachbarten Gruppen der nördlichen Kalkalpen. Dies ist hauptsächlich bei Touren im zentralen Bereich der beiden mittleren Ketten zu spüren.

Nur wenige Berge der beiden mächtigen mittleren Ketten sind durch gute Wanderwege erschlossen. Fast alle übrigen Berge sind auch von Süden relativ einfach erreichbar, die Anstiege durch steile Schroffen, Latschen- und Geröllfelder sind jedoch zum Teil weglos und nicht immer leicht zu finden. Auch kommt hinzu, dass das Gestein im Karwendel oftmals recht brüchig ist, weshalb auch leichtere Klettertouren mühsam werden. Auch deshalb, weil es oftmals nicht oder nur unzureichend möglich ist, gute Sicherungen aufzubauen. Man findet im Karwendel dennoch schöne Routen, die auch den Maßstäben an Sicherheit und Begehbarkeit genügen.

Im Winter eignet sich das Gebirge bestens zum Skifahren, Ski Langlauf oder für Skitouren. Touristen sind im Karwendel im Winter auch beim Rodeln und Schlittenfahren oder beim Schneeschuhwandern zu finden.

Wanderer, Mountainbiker, Skifahrer, Langläufer, Rodler, Wintersportler, Wellness Urlauber, Aktivurlauber, Familien und Ausflügler finden im Karwendel ihr persönliches Traumziel.
 
Geschichte
Schon vor über 3.000 Jahren begannen die Menschen mit der Nutzung und Besiedlung des Karwendels wohl in der Gegend rund um Mittenwald und Scharnitz. Etwa 1.000 Jahre später errichteten die Römer einen Verkehrsweg durch das Mittenwalder Tal und über das Seefelder Hochplateau. Etwa 1.000 Jahre später errichteten die Römer als weitere Verbindung nach Germanien einen Verkehrsweg durch das Mittenwalder Tal, das Seefelder Hochplateau sowie bei Scharnitz das Karstell "Mansio Scarbia".

Erst im 11. Jahrhundert wurde das Karwendel Gebirge aktiv erkundet und genutzt. Zunächst kamen Jäger und Sammler, danach Käse- und Harzhändler, um die reichenhaltigen Rohstoffe des Gebirges zu nutzen. Diesen folgten Viehhirten auf der Suche nach neuen Weideplätzen, die sie u. a. am Hochalmsattel und im Roßloch fanden.

Man wurde nun darauf aufmerksam, dass auch Erze und Salz aus dem Karwendel gefördert werden konnten. So wurde im Jahr 1230 die Haller Saline im Inntal eröffnet, die Erzförderung begann dagegen erst etwa 200 Jahre später. Beides führte zu tiefgreifenden Veränderungen für die Natur des Gebirges. So wurden Wälder gerodet um genügend Holz für die Abstützung der Stollen und die Verhüttung zu haben, sowie Zieh- und Saumwege angelegt, um die geförderten Bodenschätze sicher ins Tal zu bringen.

Um das Jahr 1550 wurden die ersten großflächigen Rodungen zur Schaffung von Almen vorgenommen, was nicht zuletzt im Rahmen der Waldordnung unter König Leopold geschah. Etliche Zeugnisse dieser Ordnung sind heute noch erhalten, so ist z. B. der große Ahornboden entgegen weitläufiger Meinung ein künstlich geschaffener Ort.

Auch der Beginn des 30jährigen Krieges zwang viele Bauern dazu, zum Schutz vor Plünderungen mit ihrem Vieh in abgelegene Gebiete abzuwandern. Im Rahmen der Rodungen wurde auch erstmals die Holzdrift auf der Isar praktiziert. Bis Mitte des 20. Jahrhunderts wurde so das Holz aus den Karwendeltälern nach Scharnitz und Mittenwald transportiert.

Im 18. und 19. Jahrhundert erwarben viele Bewohner der umliegenden Dörfer Nutzungsrechte für die Wälder des Gebirges, somit wurden diese übernutzt und stark geschädigt. Diese Schäden sind teilweise noch heute zu beobachten.

Hermann von Barth erschloss das Karwendel Gebirge als erster touristisch, im Sommer 1870 bestieg er im Alleingang 88 Gipfel. Alle Begehungen beschrieb er in seinem 1874 erschienen Buch "Aus den nördlichen Kalkalpen". Heute ist der Karwendel komplett erschlossen.
 
Besonderheiten
Sowohl der Tiroler als auch der bayerische Teil des Karwendels stehen unter Naturschutz, wobei der Tiroler Anteil eines der größten Naturschutzgebiete der Ostalpen bildet. Das bayrische Naturschutzgebiet zeichnet sich hauptsächlich durch das große Vorkommen von Steinadlern, die hohe Natürlichkeit des Waldes sowie des Wildfluss-Systems Isar aus.

Jedoch gibt es auch Erschließungsmaßnahmen, die Kritik hervorgerufen haben, so auch die Erschließung des Isar-Ursprungs im Hinterautal im Jahr 2003, die eine Gegeninitiative zum Schutz des Karwendels auf den Plan gerufen hat. Konflikte gab es auch um die Erschließung der Gipfel des Gebirges. Seit dem Jahr 2008 ist auf der Tiroler Seite der Trägerverein Alpenpark Karwendel mit der Betreuung des Schutzgebietes betraut.

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