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Rhön

  
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Rhön


Die Rhön ist ein Mittelgebirge im Grenzgebiet von Bayern, Hessen und Thüringen und in seinem Zentrum ein Biosphärenreservat und teilweise vulkanischen Ursprungs. Der höchste Berg ist mit 950,2 m die im hessischen Bereich liegende Wasserkuppe. Zumeist wird der Name Rhön vom keltischen raino = hügelig abgeleitet, es gibt jedoch auch andere Interpretationen.
 
Geografie
Die Rhön erstreckt sich in fast nordsüdlicher Richtung von Unterfranken bis Sachsen-Weimarischen mit fast 75 km Breite. Politisch gehört die Rhön teils zum bayrischen Unterfranken, teils zur preußischen Provinz Hessen-Nassau und zu Sachsen-Weimar.

Die südliche, reich bewaldete Rhön liegt fast in ganz Bayern und umfasst das Gebiet der Sinn mit überwiegend nordöstlicher Richtung. Zur Rhön gehören der 930 m hohe Kreuzberg bei Bischofsheim und das breite Dammersfeld im Nordwesten der Sinn und auf der bayrisch-preußischen Grenze. Das Joch von Kothen verbindet diesen Teil der Rhön im Westen mit den Höhen von Schlüchtern und vermittelt durch den Landrücken in der Wasserscheide zwischen Weser und Rhein und zwischen Flieden und Schlüchtern einen Zusammenhang mit dem Vogelsgebirge. Die Hohe Rhön erstreckt sich als ein hoher, von Wiesen bedeckter basaltischer Plateaurücken nördlich zwischen Ulster und Felda. Sie löst sich zuletzt in ihrer Fortsetzung zur Werra in eine Reihe hoher Basaltberge auf. Auf dem zusammenhängenden 22 km langen Rücken finden sich große Torfmoore. In fünf muldenförmigen Einsenkungen liegen mit Frankenheim und Birx zwei der höchstgelegenen Orte Mitteldeutschlands.

Durch das oberste Tal der Ulster getrennt, gliedert sich die Rhön im Süden mit der zusammenhängenden Zentralmasse der Abtsröder Höhe mit der Großen Wasserkuppe im Norden, dem Pferdskopf im Westen und der Euba im Süden, wobei Pferdskopf und Euba einen alten Vulkankrater umfassen. Die östlichen Vorhöhen bilden einen sich nach Norden und Süden in einzelne basaltbedeckte Berge auflösenden Parallelrücken mit der 750 m hohen Geba. Dagegen löst sich der gesamte Westen in ein Heer einzelner Kuppen auf, die sogen. Kuppenreiche Rhön. Diese ist vorherrschend mit der Westseite der Hohen Rhön das Gebiet phonolithischer und trachytischer Durchbrüche. Hier erhebt sich auf 826 m die Milseburg, einer der malerischsten Berge in Mitteldeutschland.
 
Geologie
Der Unterbau der Rhön wird von karbonischen Kristallingesteinen des Variszischen Gebirges aufgebaut. Dieses bildet entlang der Hauptachse des Rhön-Hauptkammes die Rhön-Spessart-Schwelle. In der Rhön kommen diese Formationen nirgends an die Oberfläche, sondern wurden in großen Tiefen erbohrt.

Das Gebiet der Rhön lag im Perm in einem Zechstein-Golf mitten im Germanischen Becken. Damals wurden die Kalisalze unter der Rhön abgelagert, diese werden heute im Fliede- und Werratal abgebaut. Auch die Solen der Bäder Brückenau, Kissingen und Neustadt gehen auf diese Salzlager zurück. Durch die spätere Auslaugung von Salzlagern kam es zu Erdfällen wie z. B. das Träbeser Loch oder der Frickenhäuser See.

Die heute flächenbildenden Gesteine des Buntsandsteins und Muschelkalks wurden zur zeit der Trias abgelagert. Die Buntsandsteine der Unteren Trias sind alluviale und fluviatile Sedimente eines trockenen Kontinentalbeckens. Die Muschelkalke der Mittleren Trias, die hauptsächlich als Flachwasserablagerungen entstanden sind, sind in der heutigen Landschaft als Bergrücken und Landstufen zu sehen. Die Fossilienfauna und -flora dieser Zeit umfasst u. a. Ceratiten, Terebrateln und Conodonten. Unter ständig wechselnden Sedimentationsbedingungen wurden Keupergesteine der Oberen Trias abgelagert, die heute in der Rhön nur kleinflächig in geologischen Senken erhalten sind.

Im Jura begann die Hebung der "Rhön-Schwelle". Aus Jura und Kreide sind nur wenig Ablagerungsspuren nachzuweisen. In Festlandsbereichen setzte dagegen die Abtragung der älteren Sedimente ein. Aus der Paläogen-Zeit stammen die oligozänen bituminösen Schiefer von Sieblos. Im Oligozän vor ca. 25 Mio. Jahren kam es zu einem lang anhaltenden Vulkanismus, dem die heutigen Landschaft ihres Charakter verdankt. Der Vulkanismus der Rhön ist im geologischen Zusammenhang des Oberrheingrabens zu sehen. Anfangs wurde hauptsächlich effusive und instrusive Vulkanite gefördert, es ist ein Übergang von Anfangs geförderten Basalten bis zu kieselsäurereichen Phonolithen feststellbar.

Der Vulkanismus soll außerordentlich explosiv gewesen sein, es werden Einflüsse der Alpenhebung auf die zeitgleiche Steigerung der vulkanischen Aktivität und Hebungsprozesse im Gebirge von etwa 11 Mio. Jahren vermutet. An Vulkaniten sind neben Basalt und Phonolith teils auch Trachyte, Andesite, Tephrite, Basanite, Hornblendebasalte, Olivinbasalte und Tuffe vertreten, die Minerale Rhönit und Buchonit haben in der Rhön ihre Typuslokalitäten.

Die Plateaus der Hohen Rhön bilden Lavadecken, Förderschlote sind zu Härtlingen und Kegelbergen verwittert. Mancherorts tritt Säulenbasalt zutage, dieser erhärtet durch Kluftbildung prismenartig bei der Abkühlung, postvulkanische Erscheinungen sind die Heilquellen und Mineralwässer.

Die heutige Landschaft des Gebirges entstand im Neogen nach dem Erlöschen des Vulkanismus durch weitreichende Abtragungen. Diese beseitigten auch alle primären Oberflächenformen des Vulkanismus.
 
Klima
Bezüglich Jahresmitteltemperatur, Niederschlagsmenge, Sonnenscheindauer, Windstärke und Vegetationsperiode differieren die Werte in der Rhön stark. Der Hauptkamm ist ein wichtiger Querriegel im Nordwestwind, charakterisiert durch die ausgeglichene feuchte Luft des Atlantiks. In der hessischen Rhön sind daher Stauwetterlagen mit starker Bewölkung und erheblichen Steigerungsniederschlägen häufig, die westliche Rhön ist hauptsächlich von atlantischen Klima geprägt. Deshalb macht sich in den Gebieten abseits des Hauptkammes ein kontinentaler Einfluss (mit weniger Niederschlägen aber größeren Temperaturunterschieden) bemerkbar. Im Lee der Rhön gehen die Jahresniederschläge vielerorts nicht über 500 mm hinaus. Die jährliche Sonnenscheindauer ist hier analog dazu wesentlich länger als in den übrigen Gebieten. Diese Tendenz verstärkt bei entsprechenden Wetterlagen ein Mittelgebirgsföhn.

Auf der Hohen Rhön werden aufgrund der Meereshöhe die niedrigsten Temperaturen, die größten Windstärken und die meisten Nebeltage verzeichnet. Schnee fällt im Gebirge oft bis in den Mai, die höchsten Lagen sind auch im Sommer nicht völlig frostsicher.
 
Flora und Fauna
Die geographischen und geologischen Gegebenheiten der Rhön begünstigen eine überdurchschnittliche Biotop- und Artenvielfalt. Der Buchenwald wurde im heutigen Landschaftsbild der Rhön zurückgedrängt, jedoch wurden einige dieser urzeitlichen Wälder als Kernzonen im Biospärenreservat Rhön ausgewiesen. In den Wäldern der Hochlagen sind seltene, teilweise isoliert vorkommende Pflanzenarten beheimatet (u.a. Alpen-Milchlattich, Breitblättrige Glockenblume, Silberblatt und Glänzender Kerbel).

In der Pflanzenwelt der talnahen Kalkbuchenwälder dominieren teils montane, teils colline Arten. Neben Türkenbundlilie, Maiglöckchen und Bärlauch sind auch verschiedene Orchideenarten beheimatet. Nur ein kleiner Flächenanteil der Landschaft wie Hochmoore, Felsen und Blockhalden ist überwiegend waldfrei. Hier sind hauptsächlich hochspezialisierte Arten beheimatet. Die Hochmoore der Langen Rhön sind pflanzengeographisch bedeutende Bindeglieder zwischen den nordischen und alpinen Hochmooren, hier finden sich u. a. Sonnentau, Krähenbeere und Wollgras. Das Felsgestein der Vulkanberge beheimatet seltene Arten wie Pfingstnelke, Nelken-Leimkraut und Tannen-Teufelsklau. In den artenreichen Kiefernmischwäldern zeigen sich Pflanzen wie Frauenschuh, Kriechendes Netzblatt und Diptam. In den Feuchtwiesen und Niedermooren wachsen Fieberklee, Sumpf-Herzblatt, Breitblättriges Knabenkraut und Wald-Läusekraut, in Quellmooren der Hohen Rhön auch die extrem seltenen Arten Moorklee, Behaarter Mauerpfeffer und Pyrenäen-Löffelkraut.

Die Tierwelt ist der anderer Mittelgebirge ähnlich, es kommen jedoch auch bemerkenswerte Arten vor, eine regionale Besonderheit ist die Alpenspitzmaus. An Vogelarten sind insbesondere die Vorkommen von Birkhuhn, Auerhuhn, Schwarzstorch, Uhu, Wachtelkönig, Neuntöter und Wendehals bemerkenswert, in den Mooren kommen Kurzflügelkäfer und Rhönquellschnecken vor.
 
Tourismus
Nicht nur die über 6.000 km hervorragend ausgeschilderter Wanderwege laden Touristen zu aktiver Erholung ein. Auch Golf, Radfahren, Klettern, Reiten usw. gehören zum sportlichen Angebot der Rhön, die 8 Heilbäder bieten erstklassige Behandlungen an.

Kulturliebhaber besuchen die Barockstadt Fulda oder die bekannte Theaterstadt Meiningen, viele gemütliche Gasthöfe bieten regionale Küche von delikat bis deftig.
 
Geschichte
Man nimmt an, dass der Name Rhön keltischen Ursprungs ist, nachgewiesen ist die keltische Besiedlung der Milseburg, wo sich eine keltische Stadt befand. Ringwallanlagen in der Kuppenrhön auf dem Stallberg und dem Kleinberg können keltischen oder germanischen Ursprungs sein. Viele Orts-, Berg- und Flurnamen der Rhön gehen daher auf keltische Sprachwurzeln zurück Teile der Rhön gehörten bis ins 10. Jahrhundert zum Altgau Buchonia.

Einige Rhönberge waren aufgrund ihres hervorragenden Rundblickes im Mittelalter auch Standorte für Höhenburgen wie beispielsweise die Burg Hauneck auf dem Stoppelsberg. Auf der Hochrhön wurde im Mittelalter die würzburgische Landwehr zum Schutz der Bauern angelegt.
 
Besonderheiten
Das Projekt der "Dachmarke Rhön" der Arbeitsgemeinschaft Rhön hat als Ziel die Förderung einer gemeinsamen Rhöner Identität, das Vereinheitlichen des Erscheinungsbildes der Rhön nach außen hin, sowie die Marketing-Maßnahmen der 3 beteiligten Bundesländer in Einklang zu bringen.

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