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Nordrhein-Westfalen

  
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Nordrhein-Westfalen

Basisdaten:

Landeshauptstadt: Düsseldorf
Gründungsjahr: 1946
Fläche: 34.085,27 km²
Einwohnerzahl: 17.996.621 (31. Dezember 2007

Universitäten:

Aachen: Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen
Bielefeld: Universität Bielefeld
Bochum: Ruhr-Universität Bochum
Bonn: Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn
Dortmund: Technische Universität Dortmund
Duisburg: Universität Duisburg-Essen (Campus Duisburg)
Düsseldorf: Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf
Essen: Universität Duisburg-Essen (Campus Essen)
Hagen: FernUniversität Hagen
Köln: Deutsche Sporthochschule Köln
Universität zu Köln
Münster: Westfälische Wilhelms-Universität Münster
Paderborn: Universität Paderborn
Siegen: Universität Siegen
Witten/Herdecke: Private Universität Witten/Herdecke
Wuppertal: Bergische Universität Wuppertal

Geographie:

Nordrhein-Westfalen liegt im Westen der BRD, der Norden ragt weit in die Norddeutsche Tiefebene hinein. Der nördlichste Punkt ist der NRW-Nordpunkt bei Rahden im Nordosten von Nordrhein-Westfalen, der Nordpunkt liegt nur 100 km südlich der Nordseeküste.

Die tiefste natürliche Senke befindet sich im Nordwesten des Landes in Zyfflich (Kranenburg) mit 9,2 m über NN, der tiefste überirdische Punkt ist durch den Bergbau entstanden. Eine Tiefe von 293 m unter NN erreicht der Tagebau Hambach (Niederzier) am tiefsten Punkt, was zugleich die tiefste Senke Deutschlands ist.

Etwa die Hälfte von Nordrhein-Westfalen liegt in den relativ flachen Regionen des Westfälischen Tieflands bzw. des Rheinlands, Richtung Süden sowie im Osten steigt das Terrain an. Hier hat Nordrhein-Westfalen Anteil an den deutschen Mittelgebirgsregionen. Die Gebirge des Landes (Weserbergland, Sauerland, Bergisches Land, Siegerland und die Eifel) weisen Erhebungen bis zu 800 m ü. NN auf, die höchsten Erhebungen liegen an der Grenze zu Hessen im Hochsauerland. Höchster Berg ist hier der Langenberg mit 843,2 m ü. NN, weiterhin der Kahlen Asten mit 841,9 m ü. NN und der Clemensberg 839,2 m ü. NN.

Der Großteil von Nordrhein-Westfalen liegt zwischen dem Rhein im Westen und der Weser im Osten, welche die größten Flüsse des Landes sind. Am Rhein liegen mit Köln, Düsseldorf und Duisburg 3 der 5 größten Städte des Landes. Wichtigste Nebenflüsse sind die Sieg, Wupper, Erft, Ruhr, Emscher und Lippe flussabwärts betrachtet. Die Weser durchfließt das Land von Süd nach Nord im äußersten Osten von Nordrhein-Westfalen in 2 Abschnitten auf ca. 116 km. Die Ems durchfließt Nordrhein-Westfalen auf ca. 156 km in nordwestlicher Richtung. Das Land wird über die aufgezählten Fließgewässer also vollständig Richtung Nordsee entwässert.

Klima:

Nordrhein-Westfalen liegt vollständig in der gemäßigten Klimazone Mitteleuropas, und größtenteils im maritimen Klimabereich, der sich durch relativ milde Winter auszeichnet. Der Osten von Nordrhein-Westfalen liegt im Übergangsbereich zum kontinentalen Klima. Die uneinheitlichen Naturräume bewirken jedoch auch deutsche Unterschiede im regionalen Klima.

Die mittlere Jahrestemperatur liegt je nach Höhenlage zwischen 4 °C und 9 °C. Das Münsterland und das Rheinland sind die wärmsten Regionen von Nordrhein-Westfalen. Die geschützten südlichen Teile der Kölner Bucht um Bonn und Köln zählen zu den wärmsten Regionen Deutschlands.

Auch die Niederschläge gehen wie die Temperaturen mit der Höhenlage einher. Im Flachland beträgt die jährliche Niederschlagssumme etwa 700 bis 900 mm, im Bereich der Kölner Bucht auch darunter. Im Mittelgebirge steigt die jährliche Niederschlagsmenge auf bis zu 1300 mm, im Bereich des Teutoburger Waldes, sowie des Eggegebirges und im Sauerland auf über 1400 mm.

Geschichte:

Im Jahr 1180 wurde im Konflikt zwischen Kaiser Friedrich I. Barbarossa und Heinrich dem Löwen dessen sächsisches Herzogtum geteilt. Die Herzogwürde für Westfalen wurde dem Erzbischof von Köln übertragen. Als im Zuge der Reichsreform von Maximilian I. die Reichsstände zu Reichskreisen zusammengefasst wurden, war einer davon der Niederrheinisch-Westfälische Reichskreis. Dieser umfasste über das Gebiet des heutigen Nordrhein-Westfalens hinaus den Westen des heutigen Niedersachsens und das belgische Fürstbistum Lüttich.

1585 fand die Vereinigung des nicht nieder-, sondern kurrheinischen Fürsterzbistums Köln mit dem Fürstbistum Münster in der Staatsform der Personalunion statt. Zu diesem gehörte bereits seit dem Mittelalter das Herzogtum Westfalen (Arnsberg). Im Jahr 1618 kam noch das Fürstbistum Paderborn hinzu, womit alle 3 Staaten denselben Landesherren hatten. Von dessen Haupt- und Regierungssitz in Bonn wurde diese zentral regiert bzw. verwaltet. Die "nordrhein-westfälische Union" (zwischen dem Kurfürstentum Köln und dem Fürstbistum Münster) dauerte von 1585 bis 1803. Im Reichsdeputationshauptschluss von 1803 wurden alle geistlichen und ein Großteil der kleineren unter den weltlichen Territorien mediatisiert und größeren weltlichen Territorien zugeschlagen.

Im Jahr 1806 wurden die rechtsrheinischen Gebiete des ehemals nordrheinischen Kurfürstentums Köln (unter Aufhebung einiger 1803 entstandener Zwergstaaten) mit dem ehemaligen westfälischen Fürstbistum Münster durch Kaiser Napoleon I. zum neuen Großherzogtum Berg (und Kleve) mit der Hauptstadt Düsseldorf vereinigt. Hierzu gehörten auch große Teile von Westfalen, während das ebenfalls künstlich geschaffene Königreich Westfalen hauptsächlich außerhalb der namensgebenden Landschaft lag und weite hannoversche bzw. hessische Gebiete umfasste.

Großherzog von Berg wurde der Prinz und Marschall Joachim Murat. Dieses erste Nordrhein-Westfalen musste jedoch ohne das an Frankreich gefallene linke Rheinufer auskommen. Es entwickelte sich unter der Leitung kompetenter Minister und Beamter zu einem der fortschrittlichsten und modernsten deutschen Staaten. Im Jahr 1813 wurde das Großherzogtum von Fremden Truppen besetzt, 2 Jahre später durch den Wiener Kongress völkerrechtlich als Staat aufgelöst, sein Territorium wurde dem Königreich Preußen einverleibt. Düsseldorf verlor in der Folge seine führende Rolle als Haupt- und Residenzstadt.

1815 wurde die staatliche Einheit von Nordrheinland und Westfalen nicht aufgelöst, sondern sie blieb unter dem Dach des Königreichs Preußen bestehen. Der so vergrößerte Einheitsstaat Preußen gliederte seine westdeutschen Gebiete neu in die Provinz Westfalen und die fusionierte Rheinprovinz. Obwohl der neue Oberstaat die jeweils eigene Identität von erweitertem Rheinland und Westfalen tendenziell förderte, handelte es sich staatsrechtlich bei den "Provinzen" lediglich um unselbständige Regierungs- und Verwaltungsbezirke im selben zentralen Einheitsstatt.

Als dieser 1945 de facto unterging (förmlich 1947 aufgelöst), ging somit auch die längste Periode der Vereinigung von Nordrhein und Westfalen in einem Staat zu Ende, seit hatte 130 Jahre gedauert. Der Einsatz von Kriegsgefangenen und Zwangsarbeitern in der Landwirtschaft, Fabriken und Bergwerken kündigte an, dass der Krieg auch die Provinz erreicht hatte. Die alliierten Luftangriffe trafen dann die Zivilbevölkerung, einen ersten schweren Luftangriff erlebte Münster bereits 1940. Insgesamt starben durch Luftangriffe in Münster über 1 000 Menschen. Allein in Bochum waren über 4000 Todesopfer zu beklagen, ein Großteil des Baubestandes war beschädigt. Im Mai 1943 zerstörten britische Flieger die Staumauer des Möhne Stausees, in den Fluten von Möhne und Ruhr starben Tausende von Menschen. Ende März 1945 erreichte auch der Bodenkrieg das Land, der Kampf um den sog. Ruhrkessel war heftig und verlustreich. Der Widerstand war vergeblich und am 01.04.1945 erreichten amerikanische Truppen Paderborn, am 18.04.1945 kapitulierten die letzten Einheiten der Wehrmacht in Westfalen. Diese beendeten somit den 2. Weltkrieg in diesem Gebiet.

Nach dem 2. Weltkrieg waren sich die Siegermächte uneinig über das weitere Schicksal des Ruhrgebiets. Frankreich favorisierte einen eigenständigen, politisch schwachen Staat oder ein internationalisiertes Gebiet. Die sowjetische Seite plädierte für einen Viermächte-Status (vergleichbar mit Berlin). Dies wurde jedoch von den Briten, zu deren Besatzungszone die Region gehörte, entschieden abgelehnt, da der sowjetische Einfluss nicht nach Westen ausgedehnt wurde. Die USA verhielt sich offiziell neutral, waren aber auf der Seite der Briten. Die britische Regierung befürwortete weiterhin eine Eingliederung des Ruhrgebiets in einen zukünftigen deutschen Staat. Somit sollte Wiederholung der schweren Wirtschaftskrise nach dem 1. Weltkrieg vermieden werden. Daher entwickelten die Briten die Idee des Zusammenschlusses mit dem ländlich und katholisch geprägten Westfalen. Die Einbeziehung leistungsfähiger Agrarlandschaften sollte zudem die logistisch schwierige Aufgabe der Versorgung des Ruhrgebiets erleichtern. Das Projekt war nicht unumstritten, zudem gab es kaum Gemeinsamkeiten der beiden Landesteile Nordrhein und Westfalen.

Seine rechtlichen Grundlagen erhielt Nordrhein-Westfalen mit der Verordnung Nr. 46 der britischen Militärregierung vom 23.08.1946. Aus dem nördlichen Teil der preußischen Rheinprovinz und aus der Provinz Westfalen wurde das neue Land Nordrhein-Westfalen gebildet. Im Folgejahr musste das vormalige Land Lippe auf Betreiben der Briten seine Selbständigkeit aufgeben, seine Regierung entschied sich nach Verhandlungen mit den benachbarten Ländern Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen für den Anschluss an Nordrhein-Westfalen. Am 21.01.1947 trat durch die britische Militärverordnung Nr. 77 die Vereinigung in Kraft. Diese sollte durch eine Volksabstimmung in Lippe innerhalb von 5 Jahren bestätigt werden, was jedoch unterblieb. Am 05.11.1948 wurde mit Verabschiedung des "Gesetzes über die Vereinigung des Landes Lippe mit Nordrhein-Westfalen" durch den nordrhein-westfälischen Landtag der Beitritt auch rechtsformal vollzogen.

Durch das am 29.04.1949 beschlossene Ruhrstatut sollte eine internationale Behörde die Schwerindustrie der Region kontrollieren, politisch durfte sich Nordrhein-Westfalen der BRD anschließen. Die Kontrollbehörde wurde jedoch kaum tätig und im Jahr 1952 offiziell aufgelöst. Somit konnte die Montanindustrie ungebremst produzieren.

Nordrhein-Westfalen war und ist überwiegend geprägt durch die Ballungsgebiete an Rhein und Ruhr, wo sich auch die Bevölkerung konzentriert. Jedoch machen diese Ballungsgebiete nur einen Teil des Landes aus, hinzukommen eine Reihe weniger konzentrierter Industrieregionen (wie u.a. die Gegend um Bielefeld, das Siegerland und Teile des bergischen Landes). Ein Großteil des Landes besteht aus Gebieten, die eher ländlich und agrarisch geprägt sind und eine geringere Bevölkerungsdichte aufweisen, wie z. B. die Eifel, das Sauerland oder das Münsterland.

Nach Kriegsende kam es gewissermaßen zunächst auch in den Ballungsgebieten zu einer Restauration des Parteisystems der Vorkriegszeit. Zunächst war die KPD von erheblicher Bedeutung und die CDU konnte das Erbe der Zentrumspartei antreten. Von großer Bedeutung für die politische Kultur von Nordrhein-Westfalen war, dass sich alte Wählerverbindungen in den Industriegebieten schneller auflösten als in anderen Landesteilen. Die KPD verlor rasch an Legitimität und wurde 1956 zudem verboten. Die CDU konnte die Arbeiterwähler auf Dauer nicht halten, auch die Bindung der Kirche an ein politisches Lager verlor vor dem Hintergrund des 2. Vatikanischen Konzils an Bedeutung. Die katholische Kirche gab somit vor der Landtagswahl im Jahr 1966 erstmals keine Wahlempfehlung für die CDU mehr ab.

Der wirtschaftliche Kurs der CDU schien vor allem für die Bergleute keinen Schutz vor drohender Arbeitslosigkeit zu bieten, die Wähler gingen daher zunehmend zur SPD über. Vor allem seit den 60er Jahren wurde Nordrhein-Westfalen zur Hochburg der SPD. Erst in den später 90er Jahren sorgten wirtschaftliche Umbrüche und die sich ändernde Programmatik der SPD für einen erneuten Stimmungswandel. Bei den Kommunalwahlen 1999 gelang es der CDU, selbst in großen Ruhrgebietsstädten Wahlen zu gewinnen.

Nach einem kurzen sozialliberalen Zwischenspiel von 1956 bis 1958 erfolgte die vorerst wichtigste Zäsur in der Landespolitik bei der Landtagswahl von 1966. Die SPD errang die relative Mehrheit und koalierte schließlich mit der FDP. Seitdem blieb die SPD größte Regierungspartei, musste 1970 und 1975 die relative Mehrheit aber wieder an die CDU abgeben. Seit 1980 war Nordrhein-Westfalen ein sicheres SPD-Stammland, erst die Landtagswahl 2005 endete mit einer klaren SPD-Niederlage.

Im Jahr 2005 wurde Jürgen Rüttgers (CDU) durch die Landtagsabgeordneten der CDU und FDP zum Ministerpräsidenten gewählt. Rüttgers führt eine schwarz-gelbe Koalition.

Wirtschaft:

In den 50er und 60er Jahren war Nordrhein-Westfalen das Land von Kohle und Stahl, das durch die Montanindustrie geprägte Ruhrgebiet war nach dem Wiederaufbau wieder eine der wichtigsten Industrieregionen Europas und hat zum Wirtschaftswunder im Land und in der gesamten BRD entscheidend beigetragen.

Seit den 60er Jahren zeigten sich die negativen Seiten der industriellen Monostruktur, ständig wiederkehrende Stahl- und Kohlekrisen ließen den montanindustriellen Sektor immer mehr zusammenschmelzen. Im produzierenden Bereich erlebten die mittelbetrieblichen Unternehmen jenseits des Ruhrgebiets (überwiegend im Maschinenbau und der metall- und eisenverarbeitenden Industrie) einen bedeutenden Aufschwung. Der Strukturwandel fiel regional sehr unterschiedlich aus.

Die Anzahl der landwirtschaftlichen Betriebe im Land sinkt seit Jahrzehnten (von fast 130.000 im Jahr 1970 auf ca. 51.000 im Mai 2005), die Lage bei den forstwirtschaftlichen Betrieben war ähnlich. Die forstwirtschaftlich genutzte Fläche stieg im Gegensatz zur landwirtschaftlich genutzten um rund 10 %, die landwirtschaftlich genutzte Fläche ging um fast 10 % zurück.

Landwirtschaftliche Schwerpunkte sind vor allem das Münsterland, Ostwestfalen-Lippe sowie die anderen Bereiche außerhalb der Metropolregionen. Etwa 70 % der landwirtschaftlichen Fläche ist Ackerland, rund 43 % der gesamten landwirtschaftlichen Nutzfläche dient dem Anbau von Getreide, nächstgrößere Anbauflächen werden für Futterpflanzen genutzt.

Die Fläche für den Weinbau ist eher gering und befindet sich hauptsächlich im Mittelrheintal im Südwesten des Landes. Fast die Hälfte der landwirtschaftlichen Betriebe halten Rinder, und Schweine. Nordrhein-Westfalen ist ein bedeutender Standort der deutschen Ernährungsbranche. Größtes Unternehmen ist wohl die Dr. August Oetker KG. Die Möbelbranche und Holz verarbeitende Industrie ist traditionell in Ostwestfalen-Lippe sowie im Sauerland eine wichtige Branche, sie beschäftigt rund 40.000 Personen. Die Textilindustrie spielt beschäftigungswirksam eine eher untergeordnete Rolle.

Nordrhein-Westfalen ist das wirtschaftsstärkste Land der BRD, es erwirtschaftete im Jahr 2007 ca. 21,8 % der deutschen Wirtschaftsleistung. Die Arbeitslosenquote lag im Juni 2008 bei 8,4 %, die Arbeitslosigkeit ist nach Bremen die zweithöchste aller westdeutschen Länder.


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