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Sachsen

  
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Sachsen

Basisdaten:

Landeshauptstadt: Dresden
Gründungsjahr: 1990
Fläche: 18.415,51 km²
Einwohnerzahl: 4.220.200 (31. Dezember 2007)

Universitäten:

Chemnitz: Technische Universität Chemnitz
Dresden: Technische Universität Dresden
Freiberg: Technische Universität Bergakademie Freiberg
Leipzig: Universität Leipzig

Geographie:

Sachsen liegt im Übergangsbereich von glazial geformtem Flachland im Norden zum Mittelgebirgsland im Süden. Das Bundesland gehört (außer dem äußersten Osten) zum Einzugsbereich der Elbe, die Sachsen in Südost-Nordwest-Richtung durchquert. Westlich der Elbe greift im Nordwesten die Leipziger Tieflandsbucht weit nach Süden aus, zwischen Mulde und Elbe erstreckt sich der Südostteil der Dübener Heide und das Nordsächsische Tiefland. Im Süden hat Sachsen Anteil an der Mittelgebirgsschwelle, über diese verläuft die Grenze zur Tschechischen Republik.

Dem Mittelgebirgsland vorgelagert ist das Mittelsächsische Hügelland (durch Zwickauer Mulde, Zschopau und Freiberger Mulde mit zum Teil tiefen Tälern gegliedert) mit der flachen Einsenkung des Erzgebirgsbeckens, in dessen Mittelpunkt Chemnitz liegt. Den östlichen Teil Sachsens um die obere Spree bilden die Oberlausitz und ein kleiner Teil der Niederlausitz. 28 % der Fläche Sachsens sind von Wald bedeckt, davon sind 80 % Nadelwälder.

Klima:

Raue Klimabedingungen herrschen im Erzgebirge und Vogtland, dagegen sind der Dresdner Elbtalkessel und die Leipziger Tieflandsbucht klimabegünstigt.

Die Jahresdurchschnittstemperaturen liegen im Juli mit 18 °C am höchsten und im Januar mit - 0,7 °C am niedrigsten. Dresden gehört zu den wärmsten Städten in Deutschland mit einer Jahresmitteltemperatur von 9,9 °C. Vor allem im Sommer fällt der Temperaturunterschied zwischen der sehr warmen Lausitz und dem kühleren Erzgebirge auf

Geschichte:

Das Stammesherzogtum der Sachsen unter Führung der Liudolfinger bildete sich Ende 9. bis Anfang 15. Jahrhundert heraus. Diese stellten von 919 bis 1024 die deutschen (römischen) Könige. Die Herzogsgewalt der Billunger erstreckte sich nur auf die Grenzmark an der unteren Elbe, im Jahr 1137 wurde die Herzogswürde den Welfen übertragen. Nachdem 1142 Heinrich der Löwe die Herzogswürde erhalten hatte, erreichte das Stammesherzogtum seine größte Ausdehnung. Nach dem Sturz von Heinrich dem Löwen wurde Sachsen im Jahr 1180 auf ein östliches (an der Elbe gelegenes) Restherzogtum reduziert. Das übrige Sachsen kam teilweise an das Erzstift Köln, zum Teil bildete es später das Herzogtum Braunschweig-Lüneburg. Das Restherzogtum Sachsen fiel an die Askanier, diese teilten es im Jahr 1260 in die Herzogtümer Sachsen-Lauenburg und Sachsen-Wittenburg. Die Kurwürde bekam 1356 allein Sachsen-Wittenberg zugesprochen, das seitdem Kurland ist.

Mit Friedrich I. erhielten die wettinischen Markgrafen von Meißen im Jahr 1423 Kurwürde und Herzogstitel, das Kernland ihres späteren Staates war die Markgrafschaft Meißen. Diese umfasste seit 982 die Markgrafschaften Merseburg, Zeitz und Meißen und gelangte 1089/1125 an das Haus Wettin. Seit Mitte des 13. Jahrhunderts reichte die Markgrafschaft von der Oder bis zur Werra und vom Erzgebirge bis zum Harz. Auf dieses Gebiet übertrug sich im Jahr 1423 der Name des Kurfürstentums Sachsen.

Im Jahr 1485 kam es zur Leipziger Teilung des Hauses Wettin in 2 Linien. Die ernestinische Linie gelangte in den Besitz der Hauptmasse Thüringens, des Vogtlandes und des Kurlandes Sachsen. Die ernestinische Linie geriet in der Reformationszeit als Förderer von Martin Luther und Führer des Schmalkaldischen Bundes ins Zentrum europäischer und deutscher Geschichte. Die albertinische Linie erhielt die Markgrafschaft Meißen, das Leipziger Gebiet, das nördliche Thüringen, das Kurland Sachsen mit der Kurwürde sowie die Ober- und Niederlausitz.

Unter der absolutistischen Herrschaft von August II. wurde das Kurfürstentum Sachsen in Personalunion bis 1763 mit Polen verbunden. Großen kulturellen Leistungen stand schwindender politischer Einfluss gegenüber, u.a. durch den 7jährigen Krieg von 1756 bis 1763. Zum Ende des 18. Jahrhunderts entstanden Textilmanufakturen und im 19. Jahrhundert entwickelte sich Sachsen zum ausgeprägten Industriestaat.

Im Jahr 1806 beteiligte sich Sachsen an der Seite von Preußen am Krieg gegen das napoleonische Frankreich, in der Doppelschlacht von Jena und Auerstedt im Oktober kämpften auch ca. 22.000 sächsische Soldaten. Diese endete für Preußen und seine Verbündeten mit einer katastrophalen Niederlage. Sachsen kam in der Folge kurzzeitig unter französische Besatzung und wurde mit zunächst 25 Millionen Franc Kriegskontributionen belegt. Weiterhin mussten Hilfslieferungen zur Versorgung der französischen Armee geleistet werden. Der Friedensschluss von Posen führte zur Beendigung des Kriegszustands zwischen Sachsen und Frankreich. Sachsen wurde Mitglied des Rheinbunds, Napoleon erhob Kurfürst Friedrich August II. im Dezember 1806 zu König Friedrich August I. Bis die napoleonische Herrschaft im Jahr 1813 beendet war, hielt König Friedrich August I. treu zu Napoleon. Sachsen stellte ihm ein Kontingent von 20.000 Soldaten zur Verfügung und Frankreich verzichtete im Gegenzug auf die Kriegskontributionen. 1813 wurde Sachsen zum Hauptkriegsschauplatz der antinapoleonischen Befreiungskriege, was der sächsischen Zivilbevölkerung viel Leid brachte.

Auf dem Wiener Kongress wurde die völlige Beseitigung des sächsischen Staates durch den österreichischen Staatskanzler Metternich verhindert, Preußen konnte nur einen Teil des sächsischen Territoriums einvernehmen, 1815 lebten im verbliebenen Staat noch 1,2 von vormals 2 Millionen Menschen.

Nach dem Wiener Frieden setzte auch in Sachsen eine Zeit der politischen Restauration ein, König Friedrich August I. folgte nach dessen Tod sein Bruder Anton im Amt. Die Julirevolution von 1830 in Frankreich brachte auch Deutschland Unruhen und Aufstände. In Sachsen kam es im Jahr 1831 zu gemäßigten Reformen. Das Königreich Sachsen wurde konstitutionelle Monarchie, bürgerliche Freiheiten waren verfassungsmäßig garantiert und Landtagswahlen sollten stattfinden. Die Allgemeine Städteordnung 1832 brachte den Städten eine weitgehende Selbstverwaltung, auch Justiz und Verwaltung wurden in den folgenden Jahren grundlegend neu gestaltet.

Im Frühjahr 1848 war Leipzig ein Zentrum der Revolution in den deutschen Staaten, am 13. März wurde eine bürgerliche Regierung eingesetzt. 60.000 Arbeitslose und der Unmut der Bevölkerung war kein leichtes Unterfangen. Am 01.05.1848 löste der König das Parlament auf, was den Maiaufstand auslöste. In Dresden kam es zu Kämpfen und der König flüchtete auf die Festung Königstein. In der Folge wurde die Revolution, ohne politische Zugeständnisse erreicht zu haben, niedergeschlagen. Im österreichisch-preußischen Konflikt stellte sich Sachsen am 14.06.1866 auf die Seite von Wien. Sachsen wurde von preußischen Truppen besetzt, im Friedensvertrag von Berlin musste die sächsische Regierung die politischen Veränderungen anerkennen. Das Land wurde Mitglied im Norddeutschen Bund unter preußischer Führung, 1871 wurde Sachsen Teil des neu begründeten Deutschen Reiches. Nach 1871 profitierte Sachsen besonders vom allgemeinen Aufschwung in Deutschland, das politische System blieb jedoch rückständig. Im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts war Sachsen ein Zentrum der deutschen Arbeiterbewegung unter Führung von August Bebel und Wilhelm Liebknecht.

Am 02.08.1914 rief König Friedrich August III. von Sachsen die männliche Bevölkerung zu den Waffen und schickte 750.000 Soldaten in den 1. Weltkrieg. In diesem Krieg stellte Sachsen letztmals eine eigene Armee. Am 08.11.1918 übernahmen in Sachsen Arbeiter- und Soldatenräte die Macht, am 10.11. wurde die Republik Sachsen ausgerufen, 3 Tage später dankte König Friedrich August III. ab. Am 28.11.1918 wurde das allgemeine Wahlrecht für Männer und Frauen über 21 Jahre eingeführt, am 25.02.1919 trat das "Vorläufige Grundgesetz für den Freistaat Sachsen" in Kraft. Im April 1919 verhängte die Reichsregierung den Belagerungszustand über Sachsen und die Reichswehr marschierte ein.

Im März des Folgejahres floh die Reichsregierung vor den Kapp-Putschisten nach Dresden, wo es zu Straßenkämpfen kam. Mit ihrem Generalstreik brachte die Arbeiterschaft den Kapp-Putsch zum Erliegen. Am 01.11.1920 trat die "Verfassung des Freistaates Sachsen" in Kraft. Die Verschlechterung der Wirtschaftslage und das Erstarken rechter Kräfte führte am 10.10.1923 zur Bildung einer sächsischen Linksregierung unter Erich Zeigner. Am 21.10.1923 entmachtete Generalleutnant Müller die vom Landtag gewählte sächsische Regierung. 1928 erfolgten ein Gebietsaustausch und eine Grenzbereinigung zwischen dem Freistaat Sachsen und dem Land Thüringen.

In Sachsen konnte die NSDAP nie eine Machtposition über demokratische Wege erreichen. Nach der Gleichschaltung der Länder wurde im Jahr 1933 Martin Mutschmann (SPD) zum Reichsstatthalter von Sachsen ernannt, 1935 wurde er auch mit der Führung der Landesregierung beauftragt. Ministerpräsident von 1933 bis 1935 war Manfred von Killinger. Mit dem Gesetz über den Neuaufbau des Reiches vom 30. Januar 1934 hörte der Freistaat Sachsen staatsrechtlich auf zu bestehen.

Am 13. und 14.02.1945 wurde Dresden Opfer eines der schwersten Bombenangriffe im 2. Weltkrieg, danach wurde Sachsen von der Roten Armee und von den US-Streitkräften besetzt. Am 03.07.1945 wurde dann ganz Sachsen ein Teil der Sowjetischen Besatzungszone. 1945 wurde das Land Sachsen innerhalb der Sowjetischen Besatzungszone neu gebildet, die Gebiete östlich der Neiße gingen an Polen verloren. Etwa ein Achtel der landwirtschaftlichen Nutzfläche von Sachsen wurde enteignet, große deutsche Unternehmen und das Eigentum der aktivsten Nazis gingen in die Verfügungsgewalt der Alliierten über. Auch bedeutende Kulturgüter gelangten in staatliche Verwaltung und bildeten den Grundstock der in den Nachkriegsjahren gegründeten Museen von Sachsen.

Anfang Mai 1945 begann die für Sachsen zuständige KPD-Gruppe in Dresden mit ihrer politischen Arbeit, die Landesverbände von SPD und KPD vollzogen die Vereinigung zur SED. Am 20.10.1946 fand die erste Landtagswahl statt, Ministerpräsident wurde der Sozialdemokrat Rudolf Friedrichs, am 28.02.1947 wurde die Landesverfassung verabschiedet. Am 23.07.1952 wurde Sachsen in die Bezirke Dresden, Leipzig und Chemnitz geteilt und somit faktisch aufgelöst.

Das heutige Sachsen wurde am 03.10.1990 als Bundesland der BRD neu gebildet und nahm offiziell den Titel "Freistaat" an. Da der Bezirk Dresden um den Südteil des zuvor zum Land Brandenburg gehörenden Kreises Senftenberg erweitert worden war und der Bezirk Leipzig um die früher zu Sachsen-Anhalt gehörenden Kreise Delitzsch, Eilenburg und Torgau sowie durch die Eingliederung von Teilen des ehemaligen Niederschlesiens im Jahr 1945, ist der heutige Freistaat deutlich größer als es das Königreich zu seinem Ende war.

Durch die Auflösung des Rates für gegenseitige Wirtschaftshilfe am 28.06.1991, die Währungsunion und die Wiedervereinigung kam es zu einem wirtschaftlichen Rückgang. Um dem entgegen zu wirken, wurden von Städten und Gemeinden Gewerbegebiete zur Ansiedlung von Unternehmen angelegt und neue produktive Unternehmen mit guter Wirtschaftsentwicklung gegründet. Auch die Landwirtschaft wurde von den Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften zu neuen Gesellschaften mit umweltgerechtem und ökologischem Landbau umstrukturiert.

In Sachsen hatte es zu DDR Zeiten bedeutende sowjetische Militäreinrichtungen und große Truppenkontingente gegeben. Der Abzug der sowjetischen Truppen begann im Januar 1991, am 31.08.1994 wurden die letzten Einheiten feierlich verabschiedet. Am 06.06.1992 trat die Verfassung des Freistaates Sachsen in Kraft, wonach Sachsen wieder zum Freistaat wird. Am 01.08.1994 folgte das "Sächsische Gesetz zur Kreisgebietsreform", da eine Reduzierung der Kreiszahl und eine Zusammenlegung von Gemeinden zu Großgemeinden notwendig war. Eine Änderung des Gesetztes erfolgte im Jahr 1995.

Zur zweiten Landtagswahl am 11.09.1994 wurde die Anzahl der Mandate auf 120 verkleinert. Die CDU-Alleinregierung unter Kurt Biedenkopf wurde durch Landtagswahl am 19.09.1999 bestätigt. Kurt Biedenkopf gab das Amt des sächsischen Ministerpräsidenten 2002 an den CDU-Politiker Georg Milbradt ab. Bei der Landtagswahl vom 19.09.2004 gelangten B'90/Grüne, FDP und NPD neu ins Parlament, die CDU verlor ihre absolute Mehrheit und koaliert daher seitdem mit der SPD, die nur 0,6 % mehr an Stimmen erhielt, als die NPD erhalten hatte. Georg Milbradt gab das Amt des sächsischen Ministerpräsidenten 2008 an den CDU-Politiker Stanislaw Tillich ab.

Wirtschaft:

Sachsen verfügt über eine bedeutende Industrietradition, der Bergbau im Erzgebirge, die Stein- und Braunkohlevorkommen und die günstige geografische Lage gaben der Entstehung einer handwerklichen und industriellen Produktion entscheidende Impulse. Sachsen verfügt weiterhin über eine leistungsfähige Landwirtschaft.

Die Umstellung auf die soziale Marktwirtschaft nach 1990 führte zur Existenzkrise nichtkonkurrenzfähiger Betriebe und teilweise ganzer Industriezweige und landwirtschaftlicher Unternehmen, es folgte ein tiefgreifender wirtschaftlicher Strukturwandel.

Etwa ein Drittel des wirtschaftlichen Potentials der neuen Bundesländer befindet sich heute in Sachsen, wichtige Sektoren sind der Dienstleistungsbereich sowie das verarbeitende Gewerbe. Zentren sind das Elbtal zwischen Pirna und Meißen mit dem Hauptstandort Dresden. Weiterhin das Erzgebirgsvorland und das Vogtland. Spezielle Industrie- und Gewerbezweige befinden sich im Erzgebirge (Spielwarenherstellung, Schnitzkunst und Uhrenfertigung).

Durch den weitgehend eingestellten Abbau von Braunkohle und Einstellung des Uranerzbergbaus wurden die betreffenden Gebiete ökologisch geschädigt. Die 1990 begonnene Sanierung der Bergbauflächen des Uranbergbaus gehört zusammen mit der des Braunkohlebergbaus zu den derzeit weltgrößten Umweltprojekten.

Sachsen verfügt weiterhin über ertragreichen Ackerbau und Obstanbau. Das Weinbaugebiet von Sachsen erstreckt sich vor allem im Elbtal um Meißen und Radebeul. In den oberen Gebirgslagen von Sachsen dominiert die Rinderzucht.

Wichtigste Erholungsgebiete sind Elbsandstein-, Erzgebirge, Vogtland sowie das Sächsische Burgen- und Heideland im Mittelsächsischen Hügelland. Sachsen wird von einem dichten Verkehrsnetz durchzogen, dessen Aus- und Neubau von Autobahnen seit 1990 deutlich verbessert wurde und wird. Größte Bahnknotenpunkte sind Leipzig, Chemnitz und Dresden. Binnenschifffahrt gibt es auf der Elbe mit Häfen in Torgau, Dresden und Riesa. Internationale Flughäfen sind Leipzig-Halle und Dresden.


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