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Schleswig-Holstein

  
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Schleswig-Holstein

Basisdaten:

Landeshauptstadt: Kiel
Gründungsjahr: 1946
Fläche: 15.799,38 km²
Einwohnerzahl: 2.837.810 (30. November 2007)

Universitäten:

Flensburg: Universität Flensburg
Kiel: Christian-Albrechts-Universität zu Kiel
Lübeck: Universität zu Lübeck

Geographie:

Die Westküste von Schleswig-Holstein ist durch das Wattenmeer geprägt, wobei im Norden neben den Nordfriesischen Inseln zahlreiche Halligen vorgelagert sind und die Halbinsel Eiderstedt ins Meer hineinragt. Südlich davon liegt die Nordergoesharde, die Südergoesharde ist eine reine Geestlandschaft. Ebenfalls zu der Landschaft der Inseln und Halligen gehört Helgoland.

Zwischen Eider- und Elbmündung südlich von Nordfriesland liegt die Landschaft Dithmarschen. Diese setzt sich aus den Gebieten Norderdithmarschen und Süderdithmarschen zusammen. Daran schließen dann die Elbmarschen mit der Wilstermarsch und der Kremper Marsch an.

Die Ostküste ist durch Förden und Buchten in die hügeligen Halbinseln Angeln, Schwansen, Dänischer Wohld und Wagrien gegliedert. Als Holsteinische Schweiz bezeichnet man die Landschaft um die großen Holsteinischen Seen, die Landschaft der Hüttener Berge liegt im Binnenland an der Grenze zur Geest. Bei Neumünster liegt die Landschaft Aukrug, heute ein Naturpark, und östlich von Hamburg die Landschaft Stormarn, deren östlicher Teil heute den Kreis Stormarn bildet.

Klima:

Schleswig-Holstein befindet sich in einer gemäßigt warmen Temperaturzone zwischen sub-tropischen Gebieten im Süden und den kalten Bereichen Nordeuropas. Dies ist die sog. Westwindzone, die von überwiegend westlichen Winden und dem häufigen Durchzug von Tiefdruckgebieten gekennzeichnet ist. Gleichzeitig liegt Schleswig-Holstein als europäisches Küstenland in einer Grenzregion zwischen dem europäischen Kontinent im Süden und Osten sowie dem Atlantischen Ozean mit dem warmen Golfstrom im Westen.

Diese geographische Lage verleiht bei meist westlichen Winden dem Wetter den typisch maritimen Einfluss mit einer das gesamte Jahr über recht milden und verhältnismäßig feuchten Witterung. Daher finden eiskalte und schneereiche Winter sowie sehr heiße Sommer in Schleswig-Holstein nur selten statt.

Das Wetter in Schleswig-Holstein wird im Laufe eines Jahres durch die Zugbahn der Tiefdruckgebiete bestimmt. Während der Frühlings- und Sommermonate ziehen die Tiefs häufig auf einer nördlichen Bahn über das mittlere und nördliche Skandinavien hinweg. Damit können ihre Schlechtwetterzonen nur gelegentlich Schleswig-Holstein streifen und es herrschen öfter freundliche Witterungsperioden vor. Im Herbst und im Winter verlagern sich die Tiefdruckgebiete dagegen auf einer südlicheren Zugbahn von der Nordsee her nach Osten und das Wetter erhält so einen unbeständigen und niederschlagsreichen Charakter.

Geschichte:

Nach der letzten Eiszeit wurde Schlewig-Holstein von Jägern und Sammlern besiedelt, ab etwa 4000 v. Chr. kamen Ackerbauern ins Land. Bis zum frühen Mittelalter entwickelten sich im heutigen Schleswig-Holstein 4 Völker- und Sprachgruppen. Im Zuge der Sachsenkriege gelangte der südliche Teil unter den Einfluss des Frankenreichs. Zwischen 768 und 811 kam es des Öfteren zu Auseinandersetzungen zwischen dem König des Frankenreiches Karl dem Großen und den heidnischen Nordgermanen. Zu dieser Zeit wurde auch das Danewerk errichtet und ausgebaut. In einem Friedensvertrag wurde im Jahre 811 die Eider als Grenze zwischen dem Karolinger- und dem Dänenreich festgeschrieben.

Ihre tatsächliche Bedeutung als Trennungslinie verlor die Eidergrenze mit der fortschreitenden Besiedelung im 12. und 13. Jahrhundert, dennoch blieb sie bis zum Ende des Heiligen Römischen Reiches im Jahr 1806 bzw. bis 1864 als Grenze zwischen Schleswig und Holstein bestehen. Bis im Jahr 1900 das Bürgerliche Gesetzbuch eingeführt wurde, war die Eidergrenze nur noch eine juristische Grenze. Ab 1111 wuchs zu beiden Seiten der Eiger die Eigenständigkeit. Aus dieser gingen die Herzogtümer Schleswig und Holstein hervor. Gleichzeitig wurden zwischen den beiden Gebieten immer engere politische und wirtschaftliche Beziehungen hergestellt.

Der dänische König versuchte im frühen 13. Jahrhundert, auch Holstein in sein Reich einzuvernehmen. Nach anfänglichen Erfolgen scheiterte er jedoch 1227 in der Schlacht von Bornhöved am Widerstand norddeutscher Fürsten. Im 14. Jahrhundert konnten holsteinische Grafen ihren Einfluss weit nach Jütland hinein ausdehnen und es gelang Margarete I. wieder, die dänische Lehnshoheit in Schleswig zu erlangen, jedoch musste sie die Besitzansprüche der holsteinische Adligen in Schleswig anerkennen. Im Jahr 1386 zeigten sich die beiden Gebiete erstmals im Wappen vereint, im einzelnen ist die Territorialgeschichte von Schleswig und Holstein durch vielfältige Erbteilungen und Heimfälle recht verwickelt. Jedoch gelang es der Dynastie der Schauenburger, eine schleswig-holsteinische Herrschaft zu errichten. Somit konnte im Spätmittelalter von Schleswig-Holstein als einem faktisch zusammenhängenden Territorium gesprochen werden.

Im Jahr 1460 wurde nach dem Aussterben der Schauenburger der dänische König Christian I. zum Landesherren gewählt, bis 1864 blieb Schleswig-Holstein in einer Personalunion mit Dänemark verbunden. Der dänische König regierte Schleswig und Holstein somit als Herzog der beiden Gebiete, wobei Schleswig ein königlich-dänisches Lehen blieb, während Holstein weiterhin zum Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation gehörte und damit Reichslehen war. Die Herzogtümer Schleswig und Holstein zerfielen während der frühen Neuzeit wiederholt aufgrund von Erbteilungen in mehrere kleine Herrschaften. Erst seit 1773 befanden sich Schleswig und Holstein wieder beinahe ganz unter der Herrschaft des dänischen Königs.

Der im 19. Jahrhundert in Dänemark wie in Deutschland einsetzende Nationalismus führte zu einem Gegensatz hinsichtlich der Zugehörigkeit der sog. Elbherzogtümer. Dieser Gegensatz mündete in 2 Kriegen,umstritten war hierbei das Herzogtum Schleswig. In Deutschland wie in Dänemark wurde das Land von den national gesinnten Liberalen ganzheitlich beansprucht. In Uwe Jens Lornsen fand der deutschsprachige und deutschgesinnte Süden von Schleswig im Jahr 1830 einen ersten wortgewaltigen Fürsprecher. Ab 1840 versuchten sowohl deutsche wie auch dänische Nationalliberale Einfluss auf Schleswig zu nehmen, was zu einem Konflikt führte. Dieser fand mit der Märzrevolution im Jahr 1848 seinen Höhepunkt. In Kiel rief man eine provisorische Regierung aus, welche die Aufnahme eines vereinten Schleswig-Holstein in den Deutschen Bund verlangte.Gleichzeitig wurde in Kopenhagen eine nationalliberale Regierung ernannt, der mehrere sog. Eiderdänen angehörten. Deren Ziel war die verfassungsmäßige Eingliederung Schleswigs in das Dänische Reich.

Da die beiden Forderungen unvereinbar waren, führte dies zum Schleswig-Holsteinischen Krieg von 1848 bis 1851. In diesem versuchten deutschgesinnte Schleswig-Holsteiner zunächst noch vergeblich, die dänische Oberhoheit zu beenden. Die deutschen Nationalliberalen wollten, dass auch Schleswig ein Mitglied des Deutschen Bundes und vereint mit Holstein ein souveräner Staat (unter Herzog von Augustenburg) werden sollte. Nach deutscher Auffassung und salischem Recht war dieser der legitime Erbe der Herzogtümer, da der dänische König keine Nachkommen hatte. Anders war jedoch die dänische Auffassung, nach welcher der Herzog von Augustenburg als Thronerbe in Holstein jedoch nicht in Schleswig gelten könnte. Dort bestehe nach dänischem Recht auch die Erbfolge durch die weibliche Linie.

Die schleswig-holsteinische Erhebung wurde zunächst von der Paulskirchenversammlung unterstützt, jedoch zogen sich die preußischen Armeen und die Bundestruppen auf Druck der europäischen Großmächte zurück, die selbsternannte Kieler Regierung überließen sie ihrem Schicksal. Im Jahr 1850 beendete der dänische Sieg bei Idstedt vorerst die deutschen Hoffnungen auf ein deutsches Schleswig-Holstein, der status quo ante wurde auch auf internationalen Druck wiederhergestellt. Der Frieden von Berlin wurde am 02.07.1850 zwischen dem Deutschen Bund und Dänemark geschlossen. Jedoch fand man keine Antwort auf die Schleswig-Holsteinische Frage.

Seit dem Grundgesetz von 1849 herrschte im dänischen Gesamtstaat konstitutionelle Monarchie im Königreich und Absolutismus in Holstein. Die Gesetzgebung wurde jedoch durch einen gemeinsamen Staatsrat erschwert. Im November 1863 verabschiedete Dänemark eine Verfassung, die auch für die gemeinsamen Angelegenheiten des Königreichs und des Herzogtums gelten sollte. Somit waren die Friedensbestimmungen von 1851 gebrochen und der preußische Kanzler Bismarck ergriff die Chance, die schleswigsche Frage im deutschen Sinne zu lösen. Nachdem ein sehr kurzes Ultimatum verstrichen war, erklärten Preußen und Österreich Dänemark den Krieg, diesen konnten Preußen und Österreich im April 1864 gewinnen. Verhandlungen über eine Teilung von Schleswig blieben erfolglos, weshalb Schleswig und Holstein zunächst unter preußische bzw. österreichische Verwaltung kamen, nur kleine Teile im Norden Schleswigs blieben dänisch. Im Gegenzug gab Dänemark seine Ansprüche auf die königlichen Enklaven an der schleswigschen Westküste auf. 1867 wurde Schleswig-Holstein gesamtheitlich eine preußische Provinz, die Herzogtümer erreichten also nur die Loslösung vom Dänischen Gesamtstaat, jedoch nicht ihre Unabhängigkeit. 1871 folgte die Gründung des Deutschen Reiches. Die Frage um Schleswig-Holstein war ein wichtiger Aspekt von Bismarcks Politik, die letztendlich zur Reichseinigung führte.

Die völkerrechtliche Auseinandersetzung mit Dänemark fand jedoch erst 1920 ihren Abschluss. Nun fand unter dem Druck und der Aufsicht der Siegermächte des 1. Weltkrieges die Volksabstimmung in den nördlichen Teilen Schleswigs statt, die im Vertrag von Prag 1866 zwischen Preußen und Österreich festgeschrieben wurde. Als Verlierer des Krieges musste Deutschland einen ungünstigen Zuschnitt der Stimmbezirke sowie unvorteilhafte Abstimmungsmodi akzeptieren. Dies führte u.a. zum Verlust der überwiegend deutschgesinnten Städte Apenrade, Sonderburg und Tondern sowie der grenznahen deutschgesinnten Teile des Kreises Tondern. Hart umstritten war besonders der mittlere Stimmbezirk, der sich dann aber doch deutlich für die Zugehörigkeit zum Deutschen Reich entschied. Auch wurde darüber debattiert, Schleswig-Holstein ganz oder teilweise als von Deutschland unabhängigen Staat unter alliertem Schutz zu konstituieren. Nachfolgende zeigte sich sowohl nördlich wie auch südlich der Grenze eine Tendenz dazu, sich weniger zum jeweils auf der anderen Seite der Grenze liegenden Gebiet Schleswigs als zur jeweiligen Zentralmacht zu orientieren.

Schleswig-Holstein war eine frühe Hochburg der Nazis, die höchsten Wahlergebnisse wurden in Nordfriesland und Dithmarschen erzielt. Die von den Nazis sog. "Blutnacht von Wöhrden" diente der NSDAP überregional zu Propagandazwecken. In der Reichsprogromnacht wurden die Synagogen in Lübeck, Elmshorn, Rendsburg, Kiel und Friedrichstadt von der SA geschändet. Es gab einige Außenlager des KZ Neuengamme in Schleswig-Holstein. Am 10.03.1933 wurden die ersten Häftlinge im KZ Wittmor eingesperrt.

Nach Ende des 2. Weltkrieges war Schleswig-Holstein ein Hauptansiedlungegebiet für Vertriebene, die Bevölkerungszahl stieg von 1,6 Millionen im Jahr 1939 auf 2,7 Millionen im Jahr 1949. Formell war Schleswig-Holstein auch nach 1945 noch eine preußische Provinz, der Christdemokrat Theodor Steltzer wurde im November als Oberpräsident an die Spitze der Verwaltung berufen. Am 26.02.1946 trat der erste Landtag zusammen, der von der Militärregierung ernannt worden war. Mit der Verordnung Nr. 46 der britischen Militärregierung vom 23.08.1946 erhielt Schleswig-Holstein seine rechtlichen Grundlagen, Hauptstadt wurde Kiel. Am 20.04.1947 wurde erstmals ein Landtag gewählt, mit der 1949 von diesem Landtag verabschiedeten Landessatzung wurde Schleswig-Holstein Bundesland.

Zur Unterzeichnung der Bonn-Kopenhagener Erklärungen kam es am 29.03.1955, dieses Abkommen gilt bis heute als Modell für die einvernehmliche Lösung von Minderheitenfragen. Einige der heftigsten Proteste gegen Atomkraftwerke in Deutschland fanden Ende der 1970er bis Anfang der 1980er Jahre um die Baustelle des Kernkraftwerks Brokdorf statt. Wichtigstes Naturereignis in der Landesgeschichte dürfte die Schneekatastrophe zum Jahreswechsel 1978/79 gewesen sein.

Die Barschel-Affäre 1987/88 war wohl der größte Skandal der Nachkriegsgeschichte, der dann 1993 mit der Schubladen-Affäre noch eine Fortsetzung fand. Als deren Folge wurde Heide Simonis die erste und bislang einzige Frau an der Spitze eines Bundeslandes. Diese bildete eine Koalitionsregierung aus SPD und Bündnis 90/Die Grünen, nach den Wahlen im Februar 2000 wurde diese bestätigt und fortgesetzt.

Aus der Landtagswahl am 20.02.2005 ging die CDU als stärkste Kraft hervor, jedoch strebten SPD und Bündnis 90/Die Grünen zunächst die Bildung eines Minderheitskabinetts unter Heide Simonis an, deren Wiederwahl im Landtag allerdings in 4 Wahlgängen scheiterte. Am 27.04.2005 wurde Peter Harry Carstensen (CDU) zum Ministerpräsidenten einer Großen Koalition aus CDU und SPD gewählt.

Wirtschaft:

Früher eher agrarische geprägt, weist Schleswig-Holstein heute eine breit gefächerte Wirtschaftsstruktur auf. Die Landwirtschaft nutzt ca. 68 % der Fläche, Grünland mit Viehwirtschaft herrscht in den Marschen im Westen vor, im Südosten Ölfrüchte, Getreide-, Kartoffelanbau. In Dithmarschen und auf Fehmarn ist Gemüseanbau verbreitet, in den Elbmarschen auch noch Obstanbau. Nur 9 % der Fläche sind Wald, Schleswig-Holstein hat große Baumschulflächen.

Wichtige Industriebranchen sind u.a. Nahrungs- und Genussmittel, Schiff- und Maschinenbau, Elektrotechnik, Baustoffe, Optik. Zu den wirtschaftlich genutzten Bodenschätzen gehören Salzlager, Erdöl und Kreidevorkommen. An den Küsten ist die Fischerei und Fisch verarbeitende Industrie verbreitet, zentraler Fischereihafen ist Kiel.

Hauptanziehungspunkte im Fremdenverkehr sind Sylt und Helgoland, die Ostseeküste und die Holsteinische Seenplatte. Als Küstenland hat Schleswig-Holstein eine lange Schifffahrtstradition. Der Hafen Brunsbüttel an der Unterelbe hat sich zu einem wichtigen Güterumschlagplatz entwickelt, wichtige Ostseehäfen sind Lübeck, Puttgarden und Kiel. Der Nord-Ostsee-Kanal ist nach wie vor einer der meistbefahrenen künstlichen Wasserstraßen der Erde.


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