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Gunung Merapi

  
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Gunung Merapi


Der Gunung Merapi ("Feuerberg" indonesisch Gunung = "Berg", meru = Berg, api = Feuer) ist ein Schichtvulkan in Indonesien. Er hat eine Höhe von ca. 2.914 m, ist einer der aktivsten Vulkane des Landes und gilt als einer der gefährlichsten der Welt.

Der Vulkan befindet sich auf der indonesischen Insel Java in der Nähe des Sultanats von Yogyokarta in einem dichtbesiedelten Gebiet. Einige Ortschaften liegen bis zu 1.700 m Höhe, in seiner Nähe befinden sich die historischen Tempelanlagen von Borobudur und Prambanan.

Der vorletzte große Ausbruch 1994 kostete mehr als 60 Menschenleben, 6000 Bewohner mussten evakuiert werden. Seit Sommer 2005 zeigt der Vulkan wieder eine verstärkte Aktivität, im Mai 2006 brach er schließlich wieder aus.

Typische kleine Eruptionen finden alle 2 oder 3 Jahre statt, größere durchschnittlich alle 10 bis 15 Jahre. Bei größeren Ausbrüchen kommen häufig viele Menschen ums Leben, beim Ausbruch im Jahr 1930 wurden 13 Dörfer zerstört und 1.400 Menschen von pyroklastischen Strömen getötet.
 
Geografie
Indonesien hat weltweit die höchste Dichte von Vulkanen und ist Teil des so gen. "Pazifischen Feuerrings", einem ausgedehnten Gebiet im Pazifischen Ozean, das regelmäßig von Erdbeben und Vulkanausbrüchen heimgesucht wird. Es gibt dort 128 aktive Vulkane, von denen 65 als gefährlich eingestuft wurden.

Aufgrund der regelmäßigen Eruptionen ist der oberste Teil des Gunung Merapi ohne Vegetation, seit 1548 gab es 68 Ausbrüche. Da es sich um einen Schichtvulkan handelt, wechselt er zwischen Aschen-Ausbrüchen und Lava-Ausflüssen, was auch zu seinem typischen Aussehen beitrug. Die Schichtung besteht aus Asche-Lava-Asche, charakteristisch sind auch die heißen Wolken. Diese erreichen eine Temperatur von bis zu 700 °C und eine Höhe von bis zu 8 km.
 
Geologie
Der Gunung Merapi ist der jüngste und südlichste einer Gruppe von Vulkanen im südlichen Java und befindet sich in einer Subduktionszone, wo die Australische Platte unter die Eurasische Platte gleitet. Durch schichtenkundliche Analysen wurde belegt, dass die Eruptionen in der Gegend des Vulkans vor ca. 400.000 Jahren im Pleistozän begannen. Danach nahmen die Eruptionen, bis vor ca. 10.000 Jahren, in üblicher Weise zu.

Die ausfließende Lava war zu dieser Zeit basaltisch, später wurden die Ausbrüche explosiver und zähflüssige andesitische Lava bildete häufig Lavadome. Deren Zusammenbrüche riefen häufig pyroklastische Ströme und größere Explosionen hervor. Diese Explosionen führten wiederum zu Eruptionssäulen, die beim Zusammensturz weitere pyroklastische Ströme erzeugten.
 
Ausbrüche
Ein Ausbruch des Gunung Merapi im Jahr 1992 hielt 10 Jahre an, während dieser Zeit bildete sich ein Lavadom, der bis zum einem 1/2 m pro Tag anstieg. Im Jahr 1994 erreichte der Lavadom den Rand des Vulkankraters, seither führten Felsstürze vom Lavadom zu regelmäßigen pyroklastischen Strömen. Ende 1994 brach fast der ganze Lavadom ein und erzeugte einen riesigen pyroklastischen Strom. Dieser ging vom Gipfel aus etliche km weit ab und es kamen 43 Menschen ums Leben.

Nach einem großen Ausbruch im November 1994 bildete sich im Krater des Vulkans ein neuer Lavadom, in den folgenden Jahren kam es zu vielen kleinen Ausbrüchen. Diese riefen täglich zahlreiche Lavalawinen und pyroklastische Ströme hervor, gegen Ende 2002 endeten die Eruptionen.

Seit dem Sommer 2005 wurden wieder verstärkt seismische Aktivitäten verzeichnet und der Vulkankegel schwoll an. Die benachbarten Orte wurden im April 2006 erstmals wieder in den höchsten Alarmzustand versetzt, um jederzeit evakuieren zu können. Am 19.04.2006 erreichte der Rauch aus dem Krater eine Höhe von 400 m, der am Vortag noch 75 m hoch war. Nach auffälligen Magmabewegungen und erneuten Beben wurden am 23.04. ca. 600 ältere Menschen und Kinder an den Hängen des Gunung Merapi evakuiert. Im südlichen Bereich des Gipfels bildete sich innerhalb kurzer Zeit ein neuer 10 m hoher Lavadom mit einem geschätzten Volumen von etwa 2,4 Mio. m³. Der Vulkan beruhigte sich jedoch entgegen aller Erwartungen zunächst wieder, jedoch herrschte weiterhin die höchste Alarmstufe.

Am 27.05.2006 ereignete sich in der Region von Yogyakarte ein Erdbeben der Stärke 6,3, dass zahlreiche Menschenleben und starke Zerstörungen brachte. In Folge des Erdbebens brach zwar der Gunung Merapi nicht aus, jedoch stieß dieser eine 3 km hohe Aschewolke aus. Man vermutete, dass sich als Folge des Erdbebens ein Gesteinsbrocken, der den Glutschlot verschloss, gelockert haben könnte und sich dadurch die Druckverhältnisse des Vulkans verändert hätten. Am 06.06.2006 lösten sich Teile des Vulkans in flüssiges Gestein auf, wodurch die West- und Südwesthänge des Gunung Merapi von heißen Gaswolken und Lava bedroht wurde. In den folgenden Tagen wurden große Mengen an heißen Gas- und Aschewolken ausgeworfen, die an den Berghängen in bis zu 5 km Entfernung niedergingen.
 
Geschichte
Ein heftiger Ausbruch im Jahr 1006 bedeckte den gesamten zentralen Teil von Java mit Vulkanasche. Man nimmt an, dass diese Verwüstung den Zusammenbruch der hinduistischen Zivilisation des Königreichs von Mataram bewirkte, anschließend übernahmen die Muslimen die Herrschaft über Java. Der Ausbruch zerstörte u.a. den nahegelegenen Tempel Borobudur, der unter Steinen und heißer Asche begraben wurde.

Für die Bevölkerung von Java hatte der Gunung Merapi eine besondere Bedeutung. So ist er einer von 4 Orten, an denen Beamte des königlichen Palastes von Yogyakarta und Solo jedes Jahr Opfergaben erbringen, um die alten Geister zu besänftigen. Im Glauben der Bewohner von Java befindet sich auf dem Vulkan ein unsichtbares Königreich. Dessen König soll die Bewohner um den Gunung Merapi schützen.

Hoch oben auf dem Vulkan lebt der 79 Jahre alte spiritueller Wächter Marijan, der sowohl den Geistern und Dämonen sowie auch dem Sultan von Yogyakarta dient. Die Bewohner hören zumeist auf seinen Rat und weniger auf den der Wissenschaftler. Vornehmlich in ländlichen Gegenden hat sich der Glaube an Ahnenkulten und Geister bis heute gehalten.
 
Besonderheiten
Der Gunung Merapi wird seit dem Jahr 1924 seismisch überwacht, er ist Teil eines sehr aktiven Vulkan-Überwachungs-Programms. Einige der Überwachungsstationen sind heute noch in Betrieb. Etlichen Überwachungsstationen mangelte es jedoch in den 50er und frühen 60er Jahren an Geldmitteln und Ausrüstung, eine Verbesserung trat erst nach den 70er Jahren ein. Beim Ausbruch im Jahr 1930 wurden etliche ältere Überwachungsstationen zerstört, neuere wurden nachfolgend umgesiedelt.

Dem Ausbruch von 1930 gingen eine Vielzahl von großen Erdbeben voraus, weshalb sich um den Vulkan ein Netzwerk aus 8 Seismographen befindet, das den Forschern eine genaue Feststellung der Erdbebenherde ermöglicht. In einer Zone, die 1,5 km unter dem Gipfel liegt, wurden bisher keine Herde von Erdbeben registriert, dort vermutet man das Magma-Reservoir. Weiterhin wurden Messungen der Kegelneigung des Vulkans vorgenommen und man entdeckte, dass bei Ausbrüchen kleine Veränderungen des lokalen Magnetfeldes messbar sind.

Durch die Überwachungen können außerdem die gefährlichen Lahars (heiße Schlammströme) entdeckt werden, da diese ein hochfrequentes seismisches Signal verursachen. Es wurde beobachtet, dass ein Niederschlag mit ca. 50 mm pro Stunde den Schwellenwert für das Auftreten eines Lahars bildet.

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