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Tambora

  
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Tambora


Der Tambora liegt östlich von Java auf der Insel Sumbawa in Indonesien und ist ein aktiver Stratovulkan. Die Insel wird im Norden und Süden von ozeanischer Erdkruste gesäumt, der Vulkan wurde durch aktive Subduktionszonen darunter gebildet. Dieser Prozess hob den Tambora bis auf eine Höhe von bis zu 4.300 m an, der hierdurch einer der höchsten Gipfel des indonesischen Archipels wurde. Aus einer großen Kammer floss hierbei das Magma innerhalb des Berges ab. Diese Kammer füllte sich während einiger Jahrhunderte erneut, ihre vulkanische Aktivität erreichte im April 1815 einen Höhepunkt.
 
Geologie
Der Tambora (geschätztes Alter mindestens 57.000 Jahre) liegt 340 km nördlich des Sundagrabens und 180 bis 190 km oberhalb des oberen Randes der nördlich abfallenden Benioff-Zone. Sumbawa wird im Norden und Süden von ozeanischer Kruste gesäumt. Die Konvergenzrate der hier aufeinandertreffenden indo-australischen, eurasischen und pazifischen Platten beträgt ca. 7,8 cm jährlich. Der Tambora durchmisst auf Seehöhe ca. 60 km, die momentane Höhe beträgt 2.850 m zu vergleichsweise geschätzten 4.000 m vor der Eruption im Jahr 1815 .

Der Tambora besaß lt. einer geologischen Untersuchung vor dem Ausbruch einen hohen Vulkankegel mit Zentralschacht. Aus diesem trat häufig Lava aus und floss über die Flanken des Berges ab. Heute besteht der Tambora aus den vulkanischen Ablagerungen innerhalb der Caldera. Diese reichen mit bis zu 2.700 m Höhe im Nordwesten und bis zu 2.750 m Höhe im Westen und Südwesten bis an deren Rand heran.

Der ältere Schichtvulkan besteht aus ineinandergreifenden Schichten von Lava und Pyroklastika. Der Nachfolger wird zu ca. 40 % aus 1 bis 4 m dicken, oft unterbrochenen Lavaströmen gebildet. Es gibt mindestens 20 Nebenkegel, von denen die meisten Basalt-Lavaströme produzierten.
 
Geografie
Der Vulkan liegt auf Sumbawa, einer der kleinen Sunda-Inseln, die ein Segment des Sundabogens bildet. Diese Kette vulkanischer Inseln macht den südlichen Teil des indonesischen Archipels aus. Der Vulkan liegt auf einer Halbinsel von Sumbawa, die den Namen Sanggar-Halbinsel trägt. Im Norden dieser Halbinsel liegt die Floresee, im Süden die 86 km lange und 36 km breite Saleh Bay, in der Mündung liegt die kleine Insel Mojo.

Vulkanologen und Seismologen beobachten die Aktivität des Berges, weiterhin führen Archäologen und Biologen wissenschaftliche Studien im Gebiet des Tambora durch. Das Gebiet dient weiterhin auch als Ausflugsziel für Touristen. Nächstgelegene Städte sind Dompu und Bima, Ortschaften um den Gebirgshang sind Sanggar, Doro Peti, Pesanggrahan und Calabi.

Zur Erreichung der Caldera gibt es 2 Routen, wobei die erste in der Ortschaft Doro Mboha südlich des Berges beginnt. Die zweite beginnt in der Ortschaft Pancasila an der Nordseite des Vulkans, über welche die Caldera nur zu Fuß erreicht werden kann.
 
Ausbrüche
Bereits vor 1815 gab es 3 Eruptionen des Tambora, deren Stärke jedoch unbekannt ist, was anhand der Radiokohlenstoff-Datierung gezeigt wurde. Im Jahr 1812 wurde der Vulkan hochgradig aktiv und erreichte sein eruptives Maximum im April 1815, der Ausbruch entsprach einer Stärke von 7 auf der VEI-Skala. Insgesamt wurden 160 x 109 km³ Tephra ausgeworfen, der Ausbruch hatte langfristige Auswirkungen auf das globale Klima. Die Merkmale des Ausbruchs umfassten u. a. explosive Ausbrüche aus dem Zentralkanal, pyroklastische Ströme, Tsunamis sowie einen Einsturz der Caldera.

Vor 1815 war der Tambora durch allmähliche Abkühlung wässriger Lava in einer geschlossenen Magmakammer für mehrere Jahrhunderte inaktiv. Innerhalb der Magmakammer entstand zwischen 1,5 und 4,5 km Tiefe durch Entmischungsprozesse ein Druck von ca. 4 bis 5 Kilobar und Temperaturen von 700 bis 800 °C.

Erste Erdstöße und eine dunkle Wolke gab es bereits 1812 über der Caldera, am 05.04.1815 fand eine Eruption mittlerer Stärke statt, welcher Explosionsgeräusche folgten. Diese wurden u.a. auf Sulawesi in 380 km Entfernung, auf Java in 1.260 km Entfernung und auf den Molukken in 1.400 km Entfernung vernommen. Erste Niederschläge aus vulkanischer Asche gab es am 06.04. in Jawa Timur. Am 10. und 11.04. wurden die Explosionen auf dem über 2.600 im entfernten Sumatra gehört.

Augenzeugen berichten von 3 Flammensäulen, die am 10.04. über dem Vulkan emporstiegen, sich dort vereinten und diesen in ein Inferno aus flüssigem Feuer verwandelten. Am Abend wurden Bimsstein-Brocken mit bis zu 20 cm Durchmesser aus dem Krater in die Umgebung geschleudert, später folgten Asche und pyroklastische Ströme. Diese breiteten sich kaskadenartig in alle Richtungen der Halbinsel aus und zerstörten das Dorf Tambora. Die Asche breitete sich bis zu den indonesischen Provinzen Jawa Barat und Sulawesi Selatan aus. Die Explosion hatte schätzungsweise eine Stärke von 7 auf dem VEI und etwa die 4fache Energie des Ausbruchs des Krakatau von 1883. Etwa 160 Milliarden m³ Pyroklastika wurden hierbei ausgeworfen, mit einer Gesamtmasse von 140 Mrd. t. Nach dieser Explosion durchmaß die Caldera etwa 6 bis 7 km bei einer Tiefe von 600 bis 700 m. Vor der Explosion wies der Tambora eine Höhe von ca. 4.300 m auf, danach betrug diese nur noch 2.851 m.

Der Ausbruch des Tambora im Jahr 1815 ist die größte beobachtete Eruption mit Ascheniederschlägen in bis zu 1.300 km Entfernung. Die Asche verdunkelte für fast 2 Tage den Himmel in bis zu 600 km Entfernung vollständig. Die pyroklastischen Ströme reichten in eine Entfernung von mindestens 20 km vom Krater. Die geschätzte Sprengkraft der Eruptionen entsprach der von 170.000 Hiroshimabomben, die Druckwellen waren bis in eine Entfernung von 15.000 im zu spüren.

Die Katastrophe kostete auf Sumbawa etwa 4.000 Menschen in 11 verschiedenen Dörfern das Leben, meterhohe Flutwellen zerstörten die Küsten der umliegenden indonesischen Inseln Flores und Timor. An den direkten Auswirkungen des Ausbruchs starben schätzungsweise 10.000 Menschen, nachfolgende Flutwellen und Hungersnöte forderten nochmals etwa 90.000 Menschenleben. Die durch Luftströmungen um die ganze Erde verteilten Staubteilchen brachten selbst Europa Missernten und Hungersnöte.

Im August 1819 wurden Folgeaktivitäten des Tambora verzeichnet, welche die Stärke 2 auf der VEI-Skala erreichten. Zwischen 1850 und 1910 kam es erneut zu auf die Caldera beschränkten Ausbrüchen, bei denen der "Doro Api Toi" (ein Nebelkegel innerhalb der Caldera) geschaffen wurde. Eine letzte, sehr kleine und nicht explosive Eruption des Tambora wurde im Jahr 1967 verzeichnet.
 
Besonderheiten
2004 entdeckte ein Archäologen-Team um Haraldur Sigurdsson ein durch den Ausbruch 1815 unter pyroklastischen Ablagerungen begrabenes Dorf nahe der Caldera. An der Ausgrabungsstätte wurden Knochen und Artefakte gefunden. Bei dieser - in der Presse auch als "Pompeji des Ostens" bezeichneten - Stätte könnte es sich nach Hoffnungen der Archäologen um das durch die Eruption vernichtete Kleinkönigreich Tambora handeln. Weitere Ausgrabungen, die u. a. einen vermuteten Palast freilegen sollen, waren für das Jahr 2007 angesetzt.

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