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St. Helens

  
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St. Helens


Der Mount St. Helens liegt in Skamania County (US-Bundesstaat Washington), ist 2.549 m hoch und ein noch aktiver Vulkan. Er gehört zu einer Kette von Vulkanen, der so gen. Kaskadenkette. Diese erstreckt sich entlang der Westküste von Nordamerika und gehört zum pazifischen Feuergürtel. Wie alle Vulkane dieses Gürtels weist der Mount St. Helens eine überaus große Explosionsenergie auf, seine Eruptionen gehören zu den plinianischen Eruptionen. Der Ausbruch des Vulkans im Jahr 1980 ist der bis heute meistuntersuchte und am besten verfolgte plinianische Ausbruch. Der Mount St. Helens ist der jüngste unter den großen Vulkanen der Kaskadenkette und zugleich der aktivste der jüngsten geologischen Periode (Holozän).
 
Geologie
Mit den ersten nachweisbaren Ascheablagerungen, die über 40.000 Jahre alt sind, beginnt die Eruptionsgeschichte des Vulkans. Insgesamt konnten 9 große Eruptionsphasen nachgewiesen werden, die maßgebliche Forschung erfolgt in den 60er Jahren.

Während der letzten Eiszeit bis vor ca. 10.000 Jahren wurde der damalige Vulkankegel durch Gletscher fast vollständig nivelliert, der heutige Kegel ist nicht älter als 2.200 Jahre. Aufgrund des geringen Alters konnten Verwitterung und Erosion den Vulkan nur wenig angreifen. Deshalb war Mount St. Helens vor dem Ausbruch von 1980 der ebenmäßigste Vulkan von Nordamerika und mit 2.950 m Höhe der fünfhöchste Berg von Washington.
 
Geografie
Der Vulkan liegt im pazifischen Nordwesten der USA, die Entfernung nach Seattle beträgt ca. 160 km Luftlinie, Portland in Oregon ist rund 60 km Luftlinien entfernt. Sein heute 2.549 m hoher Gipfel ist der höchste Punkt des Vulkankegels, der einen Durchmesser von etwa 10 km hat. Der Mount St. Helens liegt komplett im Einzugsgebiet des Columbia Rivers, an ihm entspringen mehrere Bäche. Die Niederschlagsmengen liegen im Jahresdurchschnitt bei etwa 3.550 mm.
 
Natur
Am Mount St. Helens werden in unterschiedlichen Projekten die Wiederbesiedelung der durch den Vulkan verwüsteten Landschaft erforscht. Auch in direkt durch die Druckwelle und Asche betroffenen Regionen konnten Pflanzen und Tiere überleben. Hierzu gehörten junge, niedrige Nadelbäume sowie Taschenratten, Ameisen und aquatische Amphibien.

Die sogleich einsetzende Erosion durch Regen wusch die Ascheschichten an herausgehobenen Stellen aus. Somit konnten Samen in den fast freigelegten Böden keimen und durch die Ascheschichten brechen. Besonders Lupinen und Weideröschen verbreiteten sich bereits im ersten Sommer nach dem großen Ausbruch wieder stark. Die ersten Tiere, die von außen in die Geröllfelder einwanderten, waren Spinnentiere und aasfressende Laufkäfer. Im ersten Sommer brachte der Wind im Durchschnitt 6 mg Trockenmasse an Insekten pro qm und Tag. Wapitihirsche nutzten die offenen Landschaften sofort als Route für Wanderungen sowie die aufkommenden Weiden und Oregonerlen als Nahrung.

Bereits nach den ersten beiden Wintern nach dem Ausbruch regenerierten sich die großen und kleinen Seen in der Region, die als Folge des direkten Ascheeintrags stark übersäuert waren. Durch Hangrutsche gelangten mehrere Mio. tote Bäume und andere Biomasse in die Gewässer, der folgende Algenwuchs führte zu einem vollkommenen Abbau von Sauerstoff. Im Spätsommer des Ausbruchsjahres waren der größte Teil der Stillgewässer am Mount St. Helens umgekippt. Dennoch reichte bereits der Niederschlag von zwei Wintern, um die überschüssigen Nährstoffe auszuspülen und die Sauerstoffversorgung der Seen wieder anzuregen. Einige Seen waren zum Zeitpunkt des Ausbruchs noch von Schnee und Eis bedeckt, weshalb in ihnen die gesamte aquatische Fauna überlebte. Bereits im Sommer begannen die Wasserbewohner die teilweise neu entstehenden Wasserläufe unterhalb zu besiedeln.

Die Wissenschaftler erkannten zunächst nicht die positiven Folgen der Erosion, durch die keimfähige Samen wieder in die Nähe der Oberfläche kamen. Sie hatten Bedenken, dass die massive Abtragung der Ascheschichten großflächige Erdrutsche nach sich ziehen könnte. Somit würden die Wasserläufe langfristig verschlammen und die Regeneration behindert. Man vermischte deshalb Grassamen mit einem natürlichen Klebstoff, die dann in riesigen Mengen von Hubschraubern aus auf die verwüsteten Hänge ausgebracht wurden. Trotz des Klebstoffs wurden diese Samen selbst durch Niederschläge ausgewaschen. Sie bildeten die Nahrungsgrundlage für eine Explosion der Populationen verschiedener Kleinnager, die dann mit Bioziden bekämpft wurden.

Etwa 25 Jahre nach dem Ausbruch hat sich in den tiefer gelegenen, wasserreichen Gebieten hauptsächlich aus Oregonerlen und diversen Weidearten eine Pioniervegetation gebildet, trockenere Regionen sind von artenreichen Wiesen überzogen. Die Hochlagen werden erst langsam besiedelt, Weißtannen sind etwa 1 m hoch, kurzhalmige Gräser und Blütenpflanzen bilden Magerrasen.

Seit 1982 sind der Vulkan und sein sich langsam regenerierendes Umfeld als Naturschutzgebiet vom Typ eines National Monuments ausgewiesen. Das Gebiet wird vom United States Forest Service verwaltet.
 
Ausbrüche
Der Mount St. Helens galt seit dem Jahr 1857 als ruhender Vulkan. Jedoch brach er nach einer Reihe von Erdbeben am 18.05.1980 wieder aus, wobei der gesamte nördliche Berggipfel abrutschte. Vor dem Ausbruch lag der Gipfel des Vulkans auf einer Höhe von 2.950 m, die heute noch 2.549 m beträgt. Bei dem Ausbruch, der etwa 3 km³ Gestein bewegte, wurde ein glücklicherweise nur dünn besiedeltes Gebiet von ca. 500 km² nicht nur vollkommen verwüstet, sondern auch landschaftlich verändert. 57 Menschen fanden bei dem Ausbruch den Tod, darunter auch der Vulkanologe David A. Johnston. Asche und Gaswolken wurden bis zu 18 km hoch beschleudert und gelangten somit über die Troposphäre hinaus in die Stratosphäre. Der Ascheauswurf dauerte 9 Stunden, ein Teil gelangte in den Jetstream und umrundete die Erde so in 2 Wochen.

Pyroklastische Ströme mit über 640 °C Temperatur rasten mit 400 km/h den Berg hinab und vernichteten die gesamte Tier- und Pflanzenwelt des Gebietes. Zwei Wochen nach deren Erscheinen herrschten in den Schichtdecken noch Temperaturen von über 400 °C. Ebenso gefährlich war ein Lahar (vulkanischer Schlammstrom). Dieser sorgte durch Vermischung der pyroklastischen Ströme mit dem Eis und Schnee der oberen Bergflanke und einer Geschwindigkeit von 120 km/h für weitere Verwüstung. Die normalen Hochwasserstände wurden innerhalb kürzester Zeit um bis zu 9 m überschritten.

Von 1980 - 1986 dauerte die vulkanische Aktivität am Vulkan an, dabei bildete sich ein neuer Lavadom im Krater, und es gab etliche kleinere Explosionen. Zwischen 1989 und 1991 wurden mehrere seismische Aktivitäten verzeichnet, die teilweise mit kleineren Explosionen am Dom selbst verbunden waren. In den Jahren 1995, 1998 und 2001 wurden zahlreiche Erdbeben registriert, jedoch ereigneten sich keinerlei Explosionen.

Am 23.09.2004 erfolgte eine Serie von kleineren Erdheben, deren Zentrum ca. 1 km unter dem Lavadom lag. Die seismischen Aktivitäten verstärkten sich weiter, am 29.09. lag der Wert bei einer Stärke von 2,5 mit 4 Beben pro Minute. Am 01.10.2004 ereignete sich dann ein kleiner Ausbruch, die Eruption begann mit einer Wolke aus Dampf und Asche. Diese breitete sich in Richtung Vancouver, Washington und Wood Village aus, wo u.a. Autos mit einer Schicht aus feiner, schwarzer Asche überzogen wurden. Die US Geological Survey (USGS) war der Meinung, das evtl. schon bald ein größerer Ausbruch folgen könnte. Am 11.10.2004 gelangte Magma an die Krateroberfläche, weshalb sich ein neuer Lavadom an der Südseite des alten Domes bildete. Eine Eruption von Rauch und Asche gab es am 09.03.2005, die Rauchsäule war ca. 11 km hoch. Am 22.06.2007 berichtete eine US-amerikanische Zeitung, dass auf dem Mount St. Helens eine zunehmende Gletscherbildung beobachtet wird.
 
Tourismus
Das Mount St. Helens National Volcanic Monument, in dem das Haupt-Besucherzentrum liegt, wird von 3 Seiten her durch Stichstraßen erschlossen. Die Zugänge von Osten und Süden führen zu den Ausgangspunkten von Wanderwegen und einiger markanten Aussichtspunkten. Die vom Ausbruch kaum betroffenen Gebiete in Randlagen des Schutzgebietes sind für Touristen frei zugänglich. Im Kernbereich und v. a. den Regenerationsflächen herrscht Wegegebot, einige Regionen sind für Besucher gesperrt.

Wegen der finanziellen Situation des Forest Service sowie des Schutzgebietes läuft seit 2007 eine politische Debatte über die Zukunft des Monuments. Politiker aus Washington und verschiedene Naturschutzorganisationen schlagen vor, Mount St. Helens als Nationalpark aufzuwerten und dem National Park Service zu übertragen
 
Geschichte
Der Vulkan liegt im Bereich der indianischen Nordwest-Küstenkultur, Spuren menschlicher Besiedelung gehen auf das 5. Jahrtausend v. Chr. zurück. In historischer Zeit war das direkte Umfeld des Berges von den Klickitat bewohnt, die weitere Umgebung von den Salish. Beide Völker teilten einen Mythos über den Berg, den sie Loo-Wit Lat-kla oder anglisiert Louwala-Clough (Feuerberg oder rauchender Berg) nannten.

Die Teilnehmer der Expedition von George Vancouver sahen als erste Europäer am 19.05.1792 den Mount St. Helens. Dieser gab dem Vulkan erst am 20.10.1792 einen Namen und benannte ihn nach dem britischen Diplomaten Alleyne FritzHerbert, 1st Baron St. Helens. 1800 gab es einen kleineren Ausbruch, 1831 und 1835 berichtet Dr. Meredith Gairdner über jeweils einen Ausbruch und Lavaströme. Aus dem Jahr 1842 liegt ein genauer Bericht eines Pfarrers vor, der einen größeren Ausbruch des Mount St. Helen beobachtet hat, weitere kleinere Ausbrüche wurden aus den Jahren 1898, 1903 und 1921 gemeldet.

Die Erstbesteigung des Mount St. Helens fand am 26.08.1853 statt. Eine Bergsteiger-Gruppe erreichte den Gipfel von Süden nach 3tägigem Anstieg. Ihr Bericht in "The Oregonian" ist der erste Nachweis eines Kraters am Gipfel des Berges.
 
Besonderheiten
Zwei Jahre nach dem Ausbruch von 1980 brachte der demokratische Abgeordnete Don Bonker eines Gesetzentwurf heraus, den Mount St. Helens sowie sein Umfeld als Schutzgebiet in der Art eines National Monuments auszuweisen, bereits am 26.08.1982 wurde das Schutzgebiet ausgewiesen. Es umfasst fast den gesamten Vulkan, einschließlich der Hänge im Süden des Gipfels und durch den Ausbruch kaum beeinträchtigter Gebiete.

Der Ausbruch vom Mai 1980 wurde von Kameras der U.S. Geological Survey aufgezeichnet, auch die Erkundung verwüsteter Gebiete direkt nach dem Ende der Eruptionen wurde von Kameras begleitet. Aus diesem Material wurden später mehrere Dokumentarfilme erstellt.

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