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Führungspraxis

  
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Führungspraxis


Inhaltsverzeichnis


1. Grundfragen zeitgemäßer Führung

1.1 Was Führung zum Ziel und Inhalt hat
1.2 Worauf es bei Führung wesentlich ankommt
1.3 Wie man Führung zu praktizieren hat
1.4 Was man noch zur Führung braucht


2. Notwendige Kenntnisse für erfolgreiches Führen

2.1 Psychologische Grundkenntnisse
2.2 Soziologische Grundkenntnisse
2.3 Führungsgrundsätze


Literaturhinweise



1. Grundfragen zeitgemäßer Führung


1.1 Was Führung zum Ziel und Inhalt hat

Christian Morgenstern sagte mit Recht: "Wer vom Ziel nicht weiß, kann den Weg nicht haben." Das heißt hier, man muß vom Ziel und Inhalt der Führung eine klare Vorstellung haben, wenn man den diesbezüglichen Aufgaben und Anforderungen gerecht werden will. Wir haben also eine passende Antwort zu finden auf die Frage: Was ist unter Führung zu verstehen?

Immer dann, wenn Menschen in Familie, Beruf, Verein usw. gemeinsam etwas bewerkstelligen wollen, sind sachliche und menschliche Gegebenheiten zu berücksichtigen. Daraus resultieren Sachaufgaben und Führungsaufgaben. In der Bewältigung von Sachaufgaben taten wir uns früher meistens schwerer als heute. Bei der Erfüllung von Führungsaufgaben ist es genau umgekehrt. Früher hatte man die Menschen und damit die Führung sozusagen "im Griff", heute nicht mehr so sehr. Wieso konnte es zu dieser Umkehrung/ Veränderung kommen?


Auf der einen Seite spielen die zunehmenden theoretischen und praktischen Erkenntnisse, der technische Fortschritt und dergleichen sicher eine Rolle. All das hat dazu beigetragen, mit Sachaufgaben heute leichter fertig zu werden. Auf der anderen Seite wirken sich Veränderungen in den menschlichen Gegebenheiten und Verhaltensweisen aus. So waren z.B. die Menschen früher im Vergleich zu heute wesentlich stärker durch "Innenorientierung" als durch "Außenorientierung" gekennzeichnet. Jeder hatte - schon seit frühester Kindheit - in sich so etwas Ähnliches wie einen "Kreiselkompaß", der immer wieder die Richtung anzeigte und bestimmte. Heute hingegen werden die Menschen in viel höherem Maße von außen beeinflußt. D.h. die Funktion der richtigen Gegensteuerung gewinnt an Bedeutung. Hinzu kommt, daß die Menschen heute selbstbewußter geworden sind, nicht mehr alles ohne weiteres hinnehmen. Halten wir fest: Die Führungsaufgaben stellen sich heute anders als früher. Dementsprechend sind Begriff und Inhalt von Führung zu überdenken und zu definieren. Das ist notwendig, damit erfolgreich geführt werden kann. Was aber ist heute unter Führung, die menschengemäß und zugleich zielorientiert sowie erfolgreich sein soll, zu verstehen? Auf diese Frage läßt sich eine zweifache Antwort geben:

1. Führen heißt, Menschen beeinflussen und veranlassen, das zu tun, was man von ihnen will.

2. Führen heißt, Menschen beeinflussen und veranlassen, mit eigener Einsicht und Überzeugung, mit eigener Willenskraft und so mit dem nötigen Maß an Frei-Willigkeit sowie Identifikation das zu tun, was dem anerkannten Ziel dient (das natürlich jeweils zu konkretisieren ist).

Über beide Definitionen sollte man mit anderen diskutieren. Es lohnt sich. Dabei wird man erkennen, daß Führung nach der ersten Definition stark ichbezogen und eigenmächtig ist, ja sogar diktatorisch und tyrannisch sein kann. Demgegenüber ist Führung nach der zweiten Definition menschenfreundlicher und demokratischer, mehr auf Gegenseitigkeit und Partnerschaftlichkeit abgestellt. Was besser, wirksamer und erfolgversprechender ist, mag jeder für sich selbst herausfinden. Bei Führung sind immer viele Faktoren zu beachten: die Menschen, mit denen man zu tun hat; die Situation, in der man sich befindet usw. Auf jeden Fall gilt es, sich des richtigen Begriffsinhaltes von Führung, der wirklich begründet und praktizierbar ist, bewußt zu werden. Wem das nicht gelingt, der wird letztendlich nicht einsehen können, worauf es bei Führung wesentlich und entscheidend ankommt. Dann wird man auch nicht in der Lage sein, die menschlichen Gefühls- und Willenskräfte so zu bewegen, wie es die Zielsetzung erfordert. Man wird also nicht erfolgreich führen können.



Über eines müssen wir uns aber auch immer im klaren sein: Führung ist stets ein Eingriff in natürliches bzw. menschliches Wachstum. Dieser Eingriff ist in etwa vergleichbar mit dem Eingriff, den man beispielsweise beim Beschneiden von Pflanzen/Bäumen vornimmt. In diesem Fall werden die sog. "wilden Triebe" entfernt. Dies geschieht - und das festzuhalten, ist sehr wesentlich - allerdings nicht, um das natürliche Wachstum zu hemmen oder gar zu unterdrücken, sondern um das Ergebnis, die Frucht des Wachstums zu fördern und zu verbessern. Ebenso ist es bei aller Führung. Um es vereinfachend zu sagen, es geht darum, nicht "klein", sondern "groß" zu machen. Das ist die Aufgabe richtiger, menschengemäßer Führung von heute. Sie sollte echte Hilfestellung, echter Dienst am Menschen sein, u.zw. im Sinne von Hilfe zur Selbsthilfe. Denn dann dient sie dazu, daß der Mensch allein oder zusammen mit anderen Ziele verwirklicht, die richtig und begründet sind und deshalb akzeptiert werden können.

Natürlich können die Zielsetzungen, die für die Führung gelten, unterschiedlich sein. Das hängt davon ab, ob es um diesen oder jenen Lebensbereich des Menschen geht (z.B. Schule, Familie,Beruf, Verein usw.). Wer aber erfolgreich, zielorientiert führen will, muß sich dessen bewußt sein, daß es nicht allein darauf ankommt, wie man Führung praktiziert. Es kommt vielmehr und vor allem auch darauf an, daß das Ziel der Führung akzeptiert wird bzw. werden kann. Von der richtigen Zielsetzung hängt der Erfolg aller Führung , aller Einflußnahme auf Menschen zum großen Teil ab. Denn nur dann, wenn der Mensch die Zielsetzung als richtig anerkennt, wird er seine Gefühls- und Willenskräfte entsprechend mobilisieren, also erfolgreich beeinflußt werden können.


Hinzu kommt ein Weiteres: Niemand tut gern etwas unter Zwang. Dagegen sträuben sich die Willenskräfte des Menschen. Er will sozusagen "eigenes Wollen". Das kann man selbst bei Kindern, die noch wenig geformt und geprägt sind, feststellen. Der Mensch liebt es also nicht, sog. "Zwangsjacken" zu tragen. Diese einengenden Zwänge kommen leider in vielen Formen vor. Beispiele dafür sind der Erfolgszwang, der Termindruck, die echte Arbeitsüberlastung, der brüllende oder schreiende "Führer". Solche Zwangsjacken machen den Menschen nervös, unruhig und unsicher, lassen ihn nicht zur bestmöglichen Entfaltung und Leistung kommen, machen ihn vielleicht sogar krank und damit den Erfolg aller Führungskunst mehr als fragwürdig. Wer Menschen nur unter Druck setzt, kann unter Umständen "der beste Lieferant für Ärzte" sein. Abgesehen davon, gilt immer eine alte Gleichung, auch und gerade beim Umgang mit anderen Menschen: Aktion gleich Reaktion. "Wie man in den Wald hineinruft, so schallt es zurück." Wer Druck erzeugt, ruft Gegendruck hervor. Das aber stellt den positiven Erfolg aller Führung in Frage, erschwert zumindest dessen Realisierung.


Aus alledem ist zu folgern, daß Führung, die zum positiven Erfolg kommen will, immer ein wohlüberlegtes Vorgehen und Handeln sein muß. Was gegen die eigenen Einsichten, gegen die Gefühlskräfte, gegen die freien Willenskräfte eines Menschen geht, ist nur sehr schwer durchsetzbar. Es ist letzten Endes nur mit dem nötigen "Druck von oben nach unten" möglich. Zugegeben, dadurch kann man zum Erfolg kommen. Es ist aber nicht der Erfolg, der dem Wesen des Menschen entspricht und von dessen Grundveranlagung her möglich sein könnte. Anders ausgedrückt, man muß, wenn man erfolgreich führen will, die Menschen, auf die man Einfluß nimmt, für vernünftige Zielsetzungen gewinnen und in ihnen entsprechende eigene Einsichten wecken, um dadurch die relativ freien Gefühls- und Willenskräfte im Sinne der Zielsetzung zu mobilisieren und zu aktivieren. Das ist die Kunst aller echten und menschengemäßen Führung, deren Kernproblem in der richtigen und positiven Motivation (Gefühls- und Willenseinwirkung) besteht. Natürlich kann auch negativ motiviert werden, nämlich so, wie es dem Wesen des Menschen und der vorgegebenen Zielsetzung nicht entspricht. Eine solche Motivation führt nicht zum erwünschten Erfolg.


Zusammenfassend können wir also sagen: Führen heißt, den Menschen beeinflussen und veranlassen, auf ihn so einwirken, daß er von sich aus, und zwar aufgrund eigener Einsicht und Überzeugung, seine Gefühls- und Willenskräfte mobilisiert und aktiviert zu dem Handeln und Verhalten, das dem gesetzten und anerkannten Ziel entspricht. Mit anderen Worten, es ist auf den Menschen Einfluß zu nehmen, damit er entsprechend aktiviert wird, und zwar so, daß er mit eigener Einsicht und Überzeugung, mit eigener Willenskraft und so mit dem nötigen Maß an Frei-Willigkeit sowie Identifikation das Notwendige zur Zielerreichung tut. Dabei sind drei Dinge wichtig:

1. Das Fühlen/Tasten ist wichtig, weil es der Grundsinn des Menschen ist (das erklärt übrigens die Bedeutung von "Einfühlungsvermögen" und "Streicheleinheiten").

2. Der Wille ist wichtig, weil er die bewegende Kraft des Menschen ist.

3. Das Ziel, und zwar das anerkannte Ziel, ist wichtig, weil es die Richtung für menschliches Wollen = die bewegende Kraft bestimmt.

Da gute und dauerhafte Leistungen im Grunde nur in "Frei-Willigkeit" erbracht werden, schließt sich eine ganz entscheidende Frage an. Wie kann man auf den freien Willen des Menschen als die bewegende Kraft einwirken?


Grundvoraussetzung dafür ist, daß das erwünschte bzw. erforderliche Kontakt- und Vertrauensverhältnis zum anderen Menschen hergestellt wird. Das ist zunächst einmal nötig, um den anderen in seiner Eigenart richtig kennenzulernen, damit man sich auf ihn entsprechend einstellen kann. Das ist aber auch nötig, um den anderen Menschen aufnahmebereit zu machen für das, was man bei ihm erreichen möchte. Ist dieses Kontakt- und Vertrauensverhältnis gegeben, dann bieten sich zumindest zwei Möglichkeiten für die Einwirkung auf die menschlichen Willenskräfte an:

1. Über den rationalen Bereich: Durch Vermittlung von Erkenntnissen und eigenen Einsichten, durch Überzeugen zu einem Handeln und Verhalten aus Frei-Willigkeit, aus eigenem Antrieb. Kurzformel: Führen durch Überzeugen, nicht durch Gehorchen.

2. Über den emotionalen Bereich: Durch Vermittlung von positiven und negativen Erfolgserlebnissen (Lob und Tadel), durch Rücksichtnahme auf Gefühle und Bedürfnisse, so daß der eigene Antrieb erhalten bleibt, der eigene Wille aktiviert wird. Kurzformel: Führen durch richtige Vermittlung von Erfolgserlebnissen. Sie können natürlich positiv oder negativ sein. Entscheidend ist, daß sie richtig, und zwar unter Wahrung des persönlichen Ehrgefühls, vermittelt werden.

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