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Vogesen

  
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Vogesen


Die Vogesen sind ein Mittelgebirge in Ostfrankreich, der Name ist abgeleitet vom ursprünglich keltischen, später von den Römern in Gallien übernommenen Berg- und Waldgott Vosegus.

Die Vogesen sind vor ca. 50 Mio. Jahren im Tertiär durch eine tektonisch bedingte Anhebung entstanden. Hieraus entstand zunächst ein mit dem Schwarzwald zusammenhängendes Gebirge, dann senkte sich der bis heute die beiden Bergzüge räumlich trennende Oberrheingraben ab. Durch die Anhebung entstand auch das französische bzw. süddeutsche Schichtstufenland.
 
Geografie
Das Gebirge gliedert sich in die 2 Teilgebiete Nordvogesen (nördlich des Breuschtals) und Südvogesen (südlich der Breusch). Die Nordvogesen, welche auch Sandsteinvogesen genannt werden, erreichen am Donon mit 1.009 m ihre größte Höhe, die Berge sind hier zumeist tafelartig geformt. Dagegen haben die Berge der Südvogesen die typische Form einer Rundkuppe, was durch Gletschertätigkeit und Erosion erklärbar ist. Hier liegen auch die höchsten Erhebungen der Vogesen: Großer Belchen (1.424 m), Storkenkopf (1.366 m), Hohneck (1.363 m, Kastelberg (1.350 m), Klinskopf (1.330 m), Rothenbachkopf (1.316 m) Lauchenkopf (1.314 m), Batteriekopf (1.311 m), Haut de Falimont (1.306 m), Gazon du Faing (1.306 m), Rainkopf (1.305 m), Gazon du Faîte (1.303 m), Ringbuhl (1.302 m) und Soultzereneck (1.302 m).
 
Geologie
Die Vogesen können in ihrem Aufbau aus Gneisen, Graniten, paläozoischen Schiefern und Vulkaniten mit dem Schwarzwald verglichen werden. Das Grundgebirge taucht im Norden und Westen unter dem Buntsandstein ab, das Gelände fällt im Osten an Staffelbrüchen zur Oberrheinebene ab. Hier sind auch Ablagerungen aus der Jura und der Trias erhalten.
 
Klima
Die Vogesen gehören den glazial überprägten Mittelgebirgen an und sind ein armorikanisches Gebirgssystem. Für die feuchten Luftmassen vom Atlantik sind sie das erste große Hindernis. Deshalb weisen die Vogesen auch stärkere Niederschläge als beispielsweise der Atlantik auf. In den Vogesen herrscht Kontinentalklima mit warmen Sommern und kalten Wintern. Im Gebirge sind große örtliche Temperaturunterschiede möglich.
 
Flora und Fauna
Auch in den Vogesen hängt die Vegetation von den nachfolgend beschriebenen Höhenstufen ab:

Die colline Stufe (auch Eichenwaldstufe) wies früher wärmeliebende Eichenmischwälder auf. Diese ist heute aufgrund ihrer Lage in Kulturlandschaften umgewandelt.

Auch Buchenwaldstufe wird die nachfolgende (sub-)montane Stufe genannt. Hier wächst überwiegend Buchenwald, der mit Tannen, Fichten, Bergulmen, Eichen und Bergahorn durchsetzt ist, wobei heute fast überwiegend mit Fichten aufgeforstet wird.

Die Buche bildet in den Vogesen die Waldgrenze, durch Pollenanalysen konnte nachgewiesen werden, dass es verhältnismäßig großflächige, primär waldfreie Gipfelbereich gibt. Vielerorts wurden die waldfreien Flächen oberhalb von 1.250 bis 1.300 m entlang des Kammes durch Beweidung noch vergrößert. Mit zunehmender Höhe werden die Buchen wegen hoher Windgeschwindigkeiten in den stark exponierten Kammlagen immer kleinwüchsiger, bis sie schließlich ganz fehlen.

Die Gipfelheiden des Gebirges weisen zahlreiche botanische Raritäten, wie u. a. viele Glazialrelikte auf. In den Vogesen befinden sich die beiden Naturparks Parc des Ballons des Vosges und Parc des Vosges du Nord. Letzterer bildet gemeinsam mit dem (auf deutscher Seite liegenden) Pfälzerwald das grenzüberschreitende Biosphärenreservat Pfälzerwald-Vosges du Nord.

Die Vogesen sind heutzutage immer noch ein besonders reiches Wildgebiet. Mit etwas Glück sieht man Hirschkühe, Rehböcke, Ricken und andere Hirscharten. Weiterhin aber auch Wildschweine, deren Bestand sich dank strikter Einhaltung der vom Jagdschutzverband festgelegten Abschussquoten stabilisiert hat.

Sehr vielfältig ist mit ca. 150 Arten auch die Vogelwelt, ganz oben steht hier der Auerhahn, der um sein Aussterben zu verhindern, durch ein besonderes Schutzprogramm gegenwärtig intensiv geschützt wird. Etwa 100 Auerhähne leben derzeit noch in den Vogesen. Raubvögel existieren in großer Anzahl (Bussarde, Eulen, Waldkäuze, Wanderfalken), auch viele andere Vogelarten wie beispielsweise Schwarzspecht, Tannenhäher, Grasmücke, Wachtel und Fasan sind vertreten.
 
Tourismus
Für die höheren Regionen der Vogesen ist v. a. die touristische Nutzung wirtschaftlich. Im Winter werden hier Skigebiete angeboten, die für ein Mittelgebirge teilweise recht groß sind, auch gibt es zahlreiche Langlaufloipen. Im Sommer sind die Vogesen ideal zum Klettern, Wandern und Gleitschirmfliegen. Auch die Ostabhänge mit ihren Weinhängen und malerisch schönen Dörfern profitieren vom Tourismus.
 
Besiedlung
Eine für Waldgebiete typische langsame Verdichtung der Besiedlung erfolgte im Laufe der Jahrhunderte, Wälder wurden u.a. für Ackerbau, Viehzucht und frühindustrielle Anlagen wie Glashütten und Köhlerein gerodet. Aufgrund der Wasserkraft entstanden Mühlen, nicht nur auf Gebiete mit Bodenschätzen konzentrierte sich die Siedlung und Zuwanderung. So fand u.a. im Bergbaugebiet des Lebertals eine Zuwanderung sächsischer Bergbaufachleute statt.
 
Geschichte
In der vorrömischen Zeit war das Gebirge gar nicht oder von Kelten besiedelt, nach dieser Epoche siedelten im Osten auch Alemannen und im Nordwesten Franken. Die Verbreitung der Sprachen und Dialekte hängt für einen großen Zeitraum immer mit den jeweiligen Besiedlungsbewegungen zusammen. Der zwischen dem 17. und 20. Jahrhundert Elsassweit stattgefundene Wechsel von deutsch zu französisch als Verkehrssprache zeigt hingegen keine bedeutenden Veränderungen in der Besiedlung mehr an. In der merowingischer Zeit vom 5. bis 7. Jahrhundert waren die Vogesen wenig besiedelt, jedoch kulturhistorisch bedeutsam durch das in den Westvogesen gelegene Kloster Luxeuil. Hier hielt sich der Ire Columban einige Zeit auf, bevor er über die Alpen nach Oberitalien zog, um das Kloster Bobbio zu gründen. Vorkarolingische Handschriften sind aus dem Kloster Luxueil erhalten. Im 1. Weltkrieg waren die Vogesen Schauplatz heftiger Kämpfe, auf der Ostseite liegen große Soldatenfriedhöfe. Auch heute sind Schützengräben an vielen Stellen noch deutlich sichtbar. Kurz unter den Gipfeln liegt auf der Westseite des Vogesenkammes die Route des Cretes. Dies ist eine Militärstraße, die von der französischen Armee zur Sicherung des gerade eroberten Gebietes gegen die anrückenden Deutschen gebaut wurde. Die Straße, die keine Orte miteinander verbindet, ist heute eine beliebte Touristenstrecke. Da sie im Winter stellenweise nicht vom Schnee geräumt wird, gehen teils auch Skipisten darüber.
 
Besonderheiten
Das französische Département Vosges ist nach dem Gebirge benannt; gleichwohl erstrecken sich die Vogesen auch auf 5 weitere Départements. Auch hat die deutsche Bezeichnung Wasgau für den nördlich ans Elsass und die Vogesen grenzenden Teil des Pfälzerwaldes den gleichen Namensursprung wie die Wörter Vosges und Vogesen.

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