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Helgoland

  
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Helgoland


Helgoland ist Deutschlands am weitesten vom Festland entfernte Nordsee-Insel und hat eine Fläche von 1,7 km². Die Insel liegt in der Deutschen Bucht und besteht aus der Hauptinsel, die sich in Unter-, Mittel- und Oberland gliedert, und der seit 1721 abgetrennten Insel "Düne".

Helgoland bildet mit seinen etwa 1300 Einwohnern eine amtfreie Gemeinde im Kreis Pinneberg in Schleswig-Holstein. Diese ist zwar Teil des deutschen Wirtschaftsgebiets, gehört aber weder zum Zollgebiet der Europäischen Union noch zum deutschen Steuergebiet.
 
Geografie
Helgoland wird oft als "Deutschlands einzige Hochseeinsel" bezeichnet, was jedoch nur rechtlich gesehen korrekt ist. Die Hauptinsel bildet zusammen mit der benachbarten Insel Düne eine Gemeinde im Kreis Pinneberg im Bundesland Schleswig-Holstein. Die Insel stellt weiterhin innerhalb der Deutschen Bucht die nordwestliche Begrenzung der Helgoländer Bucht dar.

Die Hauptinsel wird in das Oberland, das Mittelland und das Unterland unterteilt, höchste Erhebung der Insel wie auch des Landkreises ist der Pinneberg mit 61,3 m. Die benachbarte Insel Düne befindet sich jenseits der kleinen Meeresstraße Reede, knapp 1 km östlich der Hauptinsel Helgoland. Die Insel Düne, auf der sich auch der kleine Helgoländer Flugplatz befindet, war bis ins frühe 18. Jahrhundert durch einen Naturdamm mit Helgoland verbunden.
 
Geologie
Die Verwitterung sowie die Abrasion durch die Meeresbrandung sind die überwiegend gestaltenden, natürlichen Kräfte, welche auf die Insel einwirken. Bei der Verwitterung ist besonders das kühle Winterklima bedeutsam, da die Kälte die physikalische Verwitterung des Gesteins fördert. Hierdurch wird Gesteinsschutt als Verwitterungsrest zu Tage gefördert, der am Fuß der Klippen angelagert wird. Das Kliff wird hierbei langsam zurückgedrängt und Helgoland somit verkleinert.

Charakteristisch für Helgoland war hierbei auch die Entstehung von Felsvorsprüngen mit dazwischenliegenden Buchten. Mit der Zeit können diese Vorsprünge von Brandungstoren durchbrochen werden, die beim Einsturz der Bogenverbindung einzelne Felstürme hinterlassen. Die "Lange Anna" ist mit gut 48 m Höhe ein solcher Felsturm, der sich bis heute gehalten hat.

Erste menschliche Eingriffe sind auf die Rohstoff-Gewinnung zurückzuführen, ab dem Mittelalter war auch der Muschelkalk- und Gipsabbau am damaligen Wittekliff von Bedeutung. Dieser Abbau bewirkte eine rasche Zerstörung der Steilfelsen. Diese waren 1720/21 so instabil, dass sie einer Sturmflut nicht mehr standhalten konnten. Weitere Rohstofferkundungen blieben ohne Erfolg, so dass über die Vorkommen fossiler Brennstoffe im Bereich Helgolands bis heute keine weiteren Angaben getroffen werden können.

Schutzmaßnahmen veränderten das Aussehen der Insel weiter. Zum Ende des 19. Jahrhunderts begannen im Zuge einer zunehmenden Bebauung Planungen für einen wirksamen Sturmflut- und Brandungsschutz, die durch eine starke militärische Nutzung von Helgoland vorangetrieben wurden. Vor der weiterhin voranschreitenden Verwitterung können jedoch auch die Schutzmauern nicht schützen. So ist der Verwitterungsschutz am Sockel der Kliffküsten stellenweise bereits bis an die Schutzmauern angelagert. Helgoland droht deshalb auf lange Sicht unter den Schuttkegeln der Verwitterung zu versinken.

Der letzte, bis heute markante Eingriff in die Gestalt von Helgoland hat während und nach dem 2. Weltkrieg stattgefunden. Am 18.04.1945 war der damalige U-Boot-Stützpunkt Ziel eines massiven britischen Luftangriffs, von dem heute noch Bombenkrater im Oberland zeugen. Auch die Sprengung sämtlicher militärischer Anlagen am 18.04.1947 mit ca. 6.700 t Munition führte zu einer nachhaltigen Veränderung des Aussehens von Helgoland.
 
Klima
Auf der Insel Helgoland herrscht typisches Hochseeklima mit ganzjährigen Niederschlägen und nur geringen tageszeitlichen Temperaturschwankungen. Helgoland hat mit durchschnittlich 2 °C das wintermildeste Klima von Deutschland. Hierbei wirkt die golfstromerwärmte Nordsee mit ca. 5 °C Wassertemperatur als Wärmespeicher.

Wegen der Hochseelage werden die kalten Nordost- bzw. Ostwinde aus Russland abgeschwächt. Die Wintertemperaturen können beispielsweise bis zu 10 °C höher liegen als in Hamburg. Jedoch gibt es dann häufig Nebel und nur wenig Sonnenschein, Schneefall ist selten.

Der Frühling beginnt mit steigenden Temperaturen erst ab Mai, im Sommer liegen diese dann bei etwa 20 °C. Hinzu kommen regelmäßige Niederschläge, die sich mit Sonnenschein abwechseln. Die Wassertemperaturen steigen in der Nordsee bis zum August auf 16 bis 17 °C. Der Herbst ist oft noch relativ warm, er ist jedoch recht feucht, und die Sonnenscheindauer nimmt rapide ab. Die Jahresdurchschnittstemperatur liegt bei 9 °C, die jährlichen Niederschläge bei etwa 700 mm.
 
Natur
Auf Helgoland wurden an höheren Pflanzen bislang ca. 350 Arten nachgewiesen, die Insel ist der einzige mitteleuropäische Fundort der Wilden Rübe und des Klippen-Kohls. Am Klippenrand finden sich weitläufige Flächen der Pfeilkresse sowie Salzpflanzengesellschaften.

Die Brutvogelbestände haben sich in den letzten 40 Jahren auf Helgoland rasant entwickelt. Auch das Naturschutzgebiet "Helgoländer Felssockel" präsentiert sich als außergewöhnlicher Lebensraum mit einer großen Artenvielfalt an Algen, wirbellosen Tieren, Fischarten und Vögeln. Viele der hier vertretenen Pflanzen- und Tierarten kommen ausschließlich im Helgoländer Felswatt vor.

Auf der Badedüne zeigt sich ein ganz anderes Biotop als auf der Insel selbst, hier findet man die Strand-Quecke, den Strand-Hafer sowie den Strand-Roggen. Aber auch die seltene Dünen-Quecke, die Stranddistel und die Strandsegge sind neben dem Scharfen Mauerpfeffer und dem Gemeinen Sanddorn vertreten.
 
Geschichte
Früheste Kulturspuren auf Helgoland reichen bis in die Jungsteinzeit zurück, eine Verbindung zum Festland ist aufgrund des nacheiszeitlichen Meeresspiegelanstiegs schon gegen 5000 v. Chr. unterbrochen worden. Aus der Antike ist nur wenig überliefert. Im 7. Jahrhundert war die Insel von Friesen bewohnt, die Christianisierung gelang erst um das Jahr 800 durch Bischof Liudger von Münster.

Helgoland wird häufig auch mit der Piraterie in Verbindung gebracht. Die Insel stand im 12. und 13. Jahrhundert unter der dänischen Krone und galt ab dem 14. Jahrhundert als Teil des Herzogtums Schleswig. Bei der Landesteilung im Jahr 1544 wurde Helgoland per Losentscheid dem Herzog von Schleswig-Holstein-Gottorf zugesprochen. Als dessen Teilherzogtum nach dem Großen Nordischen Krieg und endgültig im Jahr 1721 auf seine holsteinischen Landesteile reduziert wurde und auf die schleswigschen Besitzungen verzichten musste, wurde die Insel Bestandteil des Herzogtums Schleswig unter der dänischen Krone.

Im Jahr 1807 besetzten britische Truppen Helgoland und gliederten die Insel als Kolonie in das Vereinigte Königreich Großbritannien und Irland ein. Im Frieden von Kiel (1814) blieb Helgoland bei den Briten, das Seebad wurde 1826 von J.A. Siemens gegründet. 1890 trat England im so gen. "Helgoland-Sansibar-Vertrag" die Insel an das Deutsche Reich ab, wofür dieses auf seine Ansprüche auf Sansibar und auf andere Rechte in Ostafrika verzichtete.

Kaiser Wilhelm II. ließ Helgoland zu einem Marinestützpunkt ausbauen, während des 1. Weltkrieges fanden zwei Seegefechte bei der Insel statt. Nach Kriegsausbruch wurde die Bevölkerung evakuiert zu konnte erst im Jahr 1918 wieder zurückkehren. Die militärischen Anlagen wurden zurückgebaut und ab 1935 von den Nazis erneut ausgebaut.

Helgoland wurde im 2. Weltkrieg zunächst kaum bombardiert, doch am 18.04.945 wurde die Insel durch drei Großangriffe mit nahezu 1.000 alliierten Flugzeugen in Schutt und Asche gelegt. Helgoland war danach lange Zeit unbewohnbar und wurde evakuiert. Ein Teil der Bevölkerung wurde auf der Insel Sylt untergebracht.

Am 18.04.1947 zerstörten die Briten mit der bis heute größten nichtnuklearen Sprengung der Geschichte die militärischen Bunkeranlagen von Helgoland. Aus dem Material der gesprengten Südspitze entstand das Mittelland. Die Hafenanlagen und Küstenschutzmauern blieben intakt, auch der Zivilschutzbunker wurde verschont und kann heute besichtigt werden.

Bis 1952 blieb die Insel militärisches Sperrgebiet und Bombenabwurfplatz für die britische Luftwaffe. Die evakuierte Bevölkerung startete verschiedene politische Initiativen zur Wiederbesiedlung von Helgoland, die UNO wurde um Hilfe gebeten und es folgten Appelle an den Papst, das britische Unterhaus sowie an die neu gebildete Bundesregierung.

Am 20.12.1950 besetzten die Heidelberger Studenten René Leudesdorff und Georg von Hatzfeld zusammen mit dem Publizisten Hubertus zu Löwenstein Helgoland und hissten die deutsche Flagge sowie die er Europäischen Bewegung und die von Helgoland. Diese Aktion löste eine große Bewegung zur Rettung der Insel aus und am 01.03.1952 gaben die Briten Helgoland wieder an die BRD zurück.

Nach dem Wiederaufbau im einheitlichen Stil der Zeit leben die Helgoländer vom Fremdenverkehr und Kurbetrieb, Helgoland wurde 1962 als Nordseeheilbad staatlich anerkannt.
 
Tourismus
Auf der Insel Helgoland stehen ca. 2.000 Betten in Privatquartieren, Pensionen und Hotels zur Verfügung. Vor allem in den Sommermonaten lockt die Zoll- und Steuerbefreiung Tagesausflügler auf die Insel.

Die der Hauptinsel vorgelagerte Düne ist bevorzugtes Ziel von Urlaubern, die nicht nur als Tagestouristen auf Helgoland bleiben. Hier teilen sich die Gäste manchmal den Strand mit einigen Seehunden und Kegelrobben, die ihre Scheu Menschen gegenüber weitgehend abgelegt haben.

Natürlich ist auch das Wattenmeer eine Sehenswürdigkeit, doch es gibt jedoch noch weitere auf Helgoland wie z. B. das Aquarium, das Helgoländer Museum an der Nordseehalle und den Geschichtsweg. Zahlreiche kulturelle Angebote sowie sportliche Aktivitäten runden einen Aufenthalt ab.

In den letzten Jahren hat der Tourismus auf Helgoland mit sinkenden Besucherzahlen zu kämpfen.
 
Verkehr
Während der Touristensaison fahren täglich Seebäderschiffe und schnelle Katamaranfähren von verschiedenen Häfen nach Helgoland. Wichtigste Häfen für den Helgolandverkehr sind Büsum, Cuxhaven und Wilhelmshaven. Im Gegensatz zu den Katamaranfähren dürfen die Seebäderschiffe den Hafen von Helgoland nicht direkt anlaufen, so dass die Schiffe auf Reede gehen müssen. Dort müssen die Passagiere in die kleinen Börteboote umsteigen, die sie dann an Land bringen. Von Oktober bis März steuert nur noch ein einziges Seebäderschiff den Südhafen an.

Auf der Düne befindet sich der kleine Flugplatz Helgoland-Düne, von dem aus in etwa 20 bis 30 Minuten das deutsche Festland erreicht werden kann. Auf der Insel dürfen keine Kraftfahrzeuge oder Fahrräder geführt werden. Diese deutschlandweit einmalige Sonderregelung wurde eingeführt, um eine Verschandelung der Insel mit Verkehrszeichen zu verhindern. Von dem Verbot ausgenommen sind die mit Sonderrechten ausgestatteten Rettungskräfte. Der Personen- und Warenverkehr wird, soweit er nicht zu Fuß möglich ist, mit Elektroautos und -karren bewältigt.
 
Besonderheiten
Im April 2008 wurden erstmals Pläne eines Bauunternehmers bekannt, die eine großangelegte Neulandgewinnung auf der Insel vorsehen. So soll eine ca. 1.000 m lange Spundwand das Mittelland mit dem Weststrand der Düne verbinden und die beiden Inselteile wieder vereinigen. Die eigentliche Landgewinnung soll über Spülschiffe erfolgen, die den Meeresarm zwischen Hauptinsel und Düne mit Sand aus der Nordsee auffüllen.

Integriert in die Neulandgewinnung wären zudem ein Gezeitenkraftwerk, zwei Windkraftanlagen und ein Photovoltaikfeld, das die Insel energietechnisch unabhängig machen würde. Allerdings hängen die Pläne von einer soliden Finanzierung und der Akzeptanz in der Bevölkerung der Insel Helgoland ab.

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