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Wangerooge

  
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Wangerooge


Die Insel Wangerooge ist eine Einheitsgemeinde im Landkreis Friesland in Niedersachsen und hat 985 Einwohner mit Stand vom 31. Dezember 2006.Wangerooge liegt im Niedersächsischen Wattenmeer innerhalb des gleichnamigen Nationalparks. Mit einer Fläche von 7,94 km² ist Wangerooge die zweitkleinste Insel der sieben bewohnten Ostfriesischen Inseln und auch die östlichste. Die Insel gehört als einzige nicht zum politischen Ostfriesland, sondern ist geschichtswissenschaftlich Teil des friesischen Jeverlandes. Wichtigster Wirtschaftsfaktor der autofreien Insel ist heute der Tourismus, auch ist sie Nordseeheilbad.
 
Geografie
Wangerooge erstreckt sich in Ost-West-Richtung über 8,5 km Länge, die Entfernung zum Festland beträgt 7 km. Die Nord-Süd-Ausdehnung beträgt maximal 2,2 km im Westteil. Westlich der Insel liegt 2 km entfernt das Ostende von Spiekeroog. 2 km südöstlich beginnt die Insel Minsener Oog. An der Nordseite von Wangerooge erstreckt sich ein ca. 100 m breiter und 3 km langer Sandstrand, der im Osten in ein 500 m breites und 3 km langes Feld mit Sandablagerungen übergeht. Im Westen befinden sich zwei weitere Strände von 0,5 und 1 km Länge. Im Süden von Wangerooge liegt das Wattenmeer. Dieses gehört zum Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer und fällt bei Niedrigwasser weitgehend trocken.

Unter der Insel befindet sich in etwa 15 m Tiefe die Geestbasis. Höchste Erhebung von Wangerooge ist die Aussichtsdüne mit einer Höhe von 17 m, auf der im Jahr 1990 eine Aussichtsplattform errichtet wurde.
 
Klima
Die Insel liegt im Bereich eines gemäßigten, sommerkühlen Seeklimas, das vom Golfstrom beeinflusst wird. Die Temperaturschwankungen sind gering und es herrscht eine hohe Luftfeuchtigkeit.

Die mittlere Sonnenscheindauer liegt mit 1.670 Stunden jährlich über dem deutschen Mittelwert. Mit mittlere Niederschlagsmenge beträgt 787 mm pro m² im Jahr und es gibt etwa 50 Frosttage.
 
Natur
Die Pflanzenwelt auf Wangerooge ist geprägt von der Vegetationsarmut der Inseloberfläche. Kleinere Wald- und Buschgebiete entstanden erst durch gezielte Aufforstungen. Die Kartoffelrose fand auf Wangerooge ideale Lebensbedingungen und verbreitete sich seit ihrer ersten Anpflanzung im Jahr 1936 schnell in den Dünen. Viele der heute wassergefüllten Bombentrichter der Bombardierung im 2. Weltkrieg haben sich zu ökologisch wertvollen Kleinbiotopen entwickelt.

Wangerooge zeichnet sich durch eine artenreiche Tierwelt aus, zu Vogelszugzeiten rasten hier große Vorkommen an Zugvögeln. Das Watt dient den riesigen Vogelschwärmen u. a. mit Muscheln und Würmern als reichhaltige Nahrungsquelle. Die Salzwiesen werden von Enten und Gänsen als Weidegründe genutzt. Jährlich können auf Wangerooge etwa 200 Gastvogelarten beobachtet werden. In den Dünen leben Feldhasen und Fasane.
 
Geschichte
Erstmals urkundlich erwähnt wird eine Siedlung auf Wangerooge im Jahr 1306, eine weitere Erwähnung erfolgte 1327 in Urkunden über Verhandlungen zur Freilassung des Wangerooger Schiffskapitäns Thithard. Während der Häuptlingszeit von 1350 bis 1464 gehörten die ostfriesischen Inseln, so auch Wangerooge, zum Herrschaftsgebiet der Familie tom Brok, wobei die Insel 1398 in einer Urkunde erwähnt wird. Widzeld tom Brok übereignete hierin seine Gebiete, darunter Wangeroch, dem Herzog Albrecht von Bayern als Graf von Holland und erhielt sie von ihm als Lehen.

Bis zur Allerheiligenflut im Jahr 1570 bestand das Inseldorf aus etwa 50 Häusern, um 1650 gab es 60 Häuser sowie 360 Einwohner auf der Insel. Die Bevölkerungszahl ging durch die Weihnachtsflut von 1717 mit ihren Zerstörungen zurück

Eine schwere Sturmflut im Winter 1854/55 riss die Insel in drei Teile, die Hauptinsel hatte danach nur noch eine Fläche von 175 ha. Die Flut führte im alten Inseldorf zu starken Zerstörungen und die meisten Bewohner verließen daraufhin die Insel. Die Oldenburger Regierung wollte die Insel ganz aufgeben und siedelte einen Großteil der Inselbewohner auf dem Festland an. 82 Wangerooger Bewohner weigerten sich nach der verheerenden Flut die verwüstete Insel zu verlassen und gründeten 1865 ein neues Inseldorf im damaligen Osten der Insel.

Mitte des 19. Jahrhunderts wurde Wangerooge für Preußen interessant, der Staat plante einen Kriegshafen für die preußische Marine an der Nordsee. Ab 1870 investierte das Deutsche Reich als Preußens Nachfolger über 1 Mio. Goldmark für den Inselschutz.

Mehrere schwere Sturmfluten trafen Wangerooge im 20. Jahrhundert. Bei der letzten schweren Sturmflut im Februar 1962 drang Wasser bis ins Ortszentrum ein und traf auch die Schutzwerke an der Nordwestseite schwer, die daraufhin verstärkt wurden.

Heute ist die Insel zur Seeseite durch Dünen geschützt, an denen sich auf rund 4 km Länge weitere Schutzeinrichtungen aus Deckwerken befinden. Eine weitere bedeutende Schutzeinrichtung ist die Buhne H, das größte Buhnenbauwerk an der deutschen Nordseeküste. Zum Schutz der Wattseite entstand zu Beginn des 20. Jahrhunderts ein 60 km langer Deich. Der Sandstrand verliert trotz aller Sicherungsmaßnahmen in Höhe des Inseldorfes große Mengen an Sand, der durch das Heranfahren von Sand vom Ostende ersetzt wird.

2008 wurde in den Medien berichtet, dass Untiefen durch zunehmende Versandung die Fahrrinne zur Insel gefährden, so dass eine Ausbaggerung geplant ist.

Im 1. sowie im 2. Weltkrieg war Wangerooge militärisch die wichtigste ostfriesische Insel. Am 25.04.1945 kam es zu einem Luftangriff auf Wamgerooge, dessen Ziel die großkalibrigen Seezielkanonen waren. Die etwa 6.000 Sprengbomben hinterließen eine Kraterlandschaft und forderten etwa 300 Menschenleben, über die Hälfte der Wohnhäuser von Wangerooge wurden zerstört. Heute sind kaum noch Reste der militärischen Vergangenheit auffindbar, da sie von Sand überweht oder von Pflanzen überwuchert sind.
 
Tourismus
Im Jahr 1804 setzte der wirtschaftlich bedeutende Bädertourismus auf Wangerooge, als die Insel zum Seebad wurde. Aufgrund der napoleonischen Kriege und verschiedener Besetzungen kam der Bädertourismus erst im Jahr 1818 verstärkt auf, 1823 zählte man bereits 1.800 Gäste. Bis Mitte des 19. Jahrhunderts entstanden zwei Logierhäuser mit jeweils etwa 50 Zimmern.

Die schwere Sturmflut von 1854/55 bewirkte das vorläufige Ende des Badebetriebs, erst 20 Jahre danach siedelten sich wieder mehr Inselbewohner an. Während des Nationalsozialismus machte sich auch auf Wangerooge verstärkt der Bäder-Antisemitismus breit. In den 50er Jahren setzte der zuvor eingestellte Fremdenverkehr unter den erschwerten Bedingungen der Nachkriegszeit wieder ein. 1956 wurde ein Meerwasser-Bad eingerichtet, seit 1975 ist Wangerooge Nordseeheilbad.

Auf Wangerooge werden etwa 500.000 Übernachtungen jährlich gezählt. Auf der Insel werden geführte Wattwanderungen angeboten, bereits in den 60er Jahren entstanden verschiedene Kureinrichtungen. Seit 1984 erfügt Wangerooge auch über ein Meerwasser-Hallenbad. Zu den Freizeitangebote gehören ein Tennisplatz, eine Tennis- und Squashhalle, eine Surfschule, ein Sportplatz sowie eine Minigolfanlage. Ein Reitstall bietet Pferdeausritte in die Dünen und am Strand. Vom Hafen aus sind Schiffsausflüge zu den Nachbarinseln und den Seehundsbänken möglich.

Auf Wangerooge befinden sich weiterhin mehrere Jugend-, Kinder- und Landschulheime sowie Mutter-Kind-Kurheime.
 
Verkehr
Die Insel ist autofrei mit Ausnahme von Einsatzfahrzeugen der Feuerwehr und Rettungsdienste sowie Baumaschinen, weitere Fahrzeuge sind Elektrokarren für den gewerblichen Transport und 2 Taxis, welches Elektrofahrzeuge sind.

Die Inseltouristen bringen ihr Gepäck meist in Bollerwagen zu ihren Unterkünften, auf der Insel können Fahrräder ausgeliehen oder mit dem Schiff mitgebracht werden. Es verkehren mehrere Fähren täglich, deren Fahrplan sich nach Ebbe und Flut richtet. Über den Festlandhafen wird der Großteil des Personen- und Güterverkehrs zur Insel abgewickelt.

Wangerooge ist für Touristen auch über den Kleinflughafen Wangerooge erreichbar, der zwei Start- und Landepisten besitzt, auch gibt es einen Hubschrauber-Landeplatz.

Die Wangerooger Inselbahn ist das einzige mit Verbrennungsmotoren angetriebene Verkehrsmittel auf der Insel. Die etwa 3 km lange Strecke wird von einer Schmalspurbahn befahren, bei Bedarf wird eine Zweigstrecke zum Bahnhof Westen bedient. Die Wangerooger Inselbahn ist die einzige von der Deutschen Bahn AG betriebene Schmalspurbahn
 
Besonderheiten
Wie alle Inseln der ostfriesischen Inselkette verlagerte sich auch Wangerooge im Laufe der Jahrhunderte ständig durch Wind- und Meeresströmungen, wobei Wangerooge die größten Form- und Lageveränderungen erlebt hat. Daher gilt die Insel als die labilste der Inselkette. Es kam einerseits zu einer Südwanderung, die im 14. Jahrhundert mit dem Festlandeinbruch der Harlebucht zusammenhing. Weit massiver war die West-Ost Drift, wodurch die Insel zwischen dem 17. und 19. Jahrhundert im Westen etwa 2 km Land verlor, im Osten kam etwa 4 km Länge hinzu. Siedlungen mussten infolge der Verlagerung immer wieder aufgegeben und nach Osten verlegt werden, 1586 zerstörte das Meer im Westen den "alten Westturm" der St.-Nicolai-Kirche. Danach entstand 1602 im Osten von Wangerooge ein Turm, der mit der Zeit wieder zum Westturm wurde.

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