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Thüringen

  
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Thüringen

Basisdaten:

Landeshauptstadt: Erfurt
Gründungsjahr: 1990
Fläche: 16.172,10 km²
Einwohnerzahl: 2.289.219 (31. Dezember 2007)

Universitäten:

Erfurt: Universität Erfurt
Ilmenau: Technische Universität Ilmenau
Jena: Friedrich-Schiller-Universität (FSU) Jena
Weimar: Bauhaus-Universität Weimar

Geographie:

Thüringen liegt in der Mitte von Deutschland. Es grenzt an die Länder Hessen (Länge der Grenze 270 km), Bayern (381 km), Sachsen (265 km), Sachsen-Anhalt (296 km) und Niedersachsen (112). Der Freistaat Thüringen gehört wie auch Sachsen und Teile von Sachsen-Anhalt zur Region Mitteldeutschland.

Landschaftlich gestaltet sich Thüringen sehr unterschiedlich, im äußersten Norden befindet sich der Harz. In südöstlicher Richtung schließt sich mit dem fruchtbaren Tal des Flusses Helme ein als "Goldene Aue" bezeichnetes Gebiet an. Nordwestlich befindet sich das Eichsfeld (eine teilweise bewaldete Hügellandschaft).

In der Landesmitte befindet sich das flache, äußerst fruchtbare Thüringer Becken, diese Region zählt zu den ältesten Kulturlandschaften Deutschlands, erste Ortgründungen gehen auf das Jahr 704 zurück. Das Thüringer Becken ist umringt von mehreren kleinen Höhenzügen, wie der Dün im Nordwesten, die Hainleite und die unmittelbar nördlich davon gelegene Windleite. Weiterhin der Kyffhäuser im Norden, Schmücke, Hohe Schrecke und Finne im Nordosten, dem Ettersberg im Südosten, der Fahner Höhe im Süden und dem Hainich im Westen. Der einzige Nationalpark des Landes ist der Hainich.

Südlich des Thüringer Beckens befindet sich das hügelige Vorland des Thüringer Waldes. Schließlich als größtes Gebirge im Land der Thüringer Wald selbst. Östlich geht dieser nahtlos ins Thüringer Schiefergebirge über, das wiederum südöstlich in den Frankenwald übergeht, welcher jedoch nur zu kleinsten Teilen in Thüringen liegt. Diese Mittelgebirgskette wird vom Rennsteig, dem Kammweg, durchzogen, welcher die Wasserscheide zwischen Elbe im Norden und Weser bzw. Rhein im Süden darstellt. Östlich von Wald und Becken verläuft das Saaletal, jenseits der Saale liegt im Norden das Thüringer Holzland, im Süden das Vogtland und im Osten das Osterland. Das Osterland um Altenburg ist im Gegensatz zu den erstgenannten wenig bewaldet und sehr fruchtbar. Südwestlich des Thüringer Waldes liegt das Werratal, gefolgt von der Rhön im Westen und dem Grabfeld im Süden.

Als wichtigste Flüsse des Landes sind die Werra im Westen und die Saale im Osten zu nennen. Größere Zuflüsse der Saale sind die Unstrut (mit Gera), die Ilm und die Weiße Elster, im Nordwesten des Landes entspringt die Leine.

Die höchste Erhebung im Land ist der Große Beerberg im Thüringer Wald mit 983 Metern Höhe, weitere hohe Berge sind der Schneekopf (978 m), der Große Finsterberg (944 m) und der Inselsberg (916 m).

Klima:

Thüringen ist der gemäßigten Klimazone Mitteleuropas zuzuordnen bei vorherrschender Westwindströmung. Da zwischen den westlichen Meeren und Thüringen bereits einige schützende Mittelgebirge liegen, ist das Klima kontinentaler geprägt als im Westen und Norden Deutschlands. Kältere Winter und trockenere Sommer als in anderen Teilen der BRD sind die Folge.

Innerhalb des Freistaates gibt es sehr große klimatische Unterschiede, vor allem das Thüringer Becken in der Landesmitte ist begünstigt. Dieses ist von Gebirgen umgeben, weshalb dort die geringsten Niederschlagsmengen deutschlandweit fallen. Straußfurt hält den Rekord mit 242 mm Jahresniederschlag im Jahr 1911. Im Thüringer Becken fallen normalerweise 400 - 500 mm Jahresniederschlag bei einer Jahresmitteltemperatur von 8,5 °C. Die Hügelzonen im Land liegen klimatisch etwa im deutschen Durchschnitt, so fallen in Gera 624 mm Niederschlag bei einer Temperatur von 8,7 °C. Ein ungünstiges Klima weisen die Gebirgszonen auf, so werden auf der Schmücke durchschnittlich 1289 mm Jahresniederschlag bei einer Temperatur von 4,4 °C gemessen. Die Januar-Temperatur liegt hier bei -4 °C und die Juli-Temperatur bei 12,8 °C. In Artern am Nordrand des Thüringer Beckens liegen die Werte im Januar bei -0,7 °C und im Juli bei 17,6 °C.

Geschichte:

Im 3. Jahrhundert bildete sich aus Teilen der Hermunduren, Turonen, Warnen und Angeln der Stamm der Thüringer. Diese gründeten später ein Königreich mit Siedlungsschwerpunkt im Thüringer Becken entlang der Unstrut. Die erstmalige urkundliche Erwähnung von Thüringen unter dem Namen Thoringi durch Sidonius Apollinaris geht auf das Jahr 480 zurück.

Im Jahr 531 zerschlugen die Franken mit Hilfe der Sachsen das Königreich und gliederten das Gebiet westlich der Saale in Frankenreich ein. Um 620 gründeten die Merowinger das Herzogtum Thüringen, das bis ins späte 7. Jahrhundert bestand. Zu dieser Zeit werden auch die ersten Orte gegründet, u.a. Arnstadt im Jahr 704 und Erfurt im Jahr 742, zur gleichen Zeit gründete Bonifatius das Bistrum Erfurt.

Durch die Ottonen wurde das Gebiet an der unteren Unstrut zwischen Naumburg und Sangerhausen im 10. Jahrhundert zu einem Zentrum des Heiligen Römischen Reiches. Hiervon profitierte Thüringen jedoch nur wenig, da sich in der Gegend kein eigenes, starkes Stammesherzogtum bilden konnte. Die Grafschaft Weimar bildete zu dieser Zeit die größte Macht im Raum Thüringen, erst die Ludowinger brachten wieder beträchtliche Teile Thüringens unter ihre Kontrolle. Ludwig der Springer ließ im Jahr 1067 die Wartburg errichten, seine Nachkommen wurden 1131 von Kaiser Lothar von Supplinburg zu Landgrafen von Thüringen erhoben.

Unter ihnen erblühte die Region zu einem Zentrum der deutschen Kultur des Hochmittelalters, 1247 starb das Landgrafengeschlecht aus. Daraufhin begann der thüringisch-hessische Erbfolgekrieg der 1264 damit endete, dass die Wettiner große Teile des Landes erhielten und in ihren Staat integrierten. Somit begann eine beinahe 700 Jahre dauernde Herrschaft der Wettiner über Thüringen. Diese endete erst mit der Abschaffung der Monarchien in Deutschland im Jahr 1918. Im Thüringer Grafenkrieg von 1342 - 1346 versuchten die Grafen von Schwarzenburg, Weimar-Orlamünde und Hohnstein sowie die Vögte von Weida die Vormachtstellung der Wettiner wieder zurückzudrängen, was jedoch erfolglos blieb.

Im Laufe des 12. Jahrhunderts wurde in Thüringen der Landausbau verstärkt und erste befestigte Städte entstanden wie Mühlhausen oder Saalfeld. Erfurt ging nun seiner Blütezeit entgegen, im 14. Jahrhundert erreichte die Einwohnerzahl einen Stand von etwa 20.000.Die Stadt verfügte über 30 Pfarrkirchen und Klöster, 2 mächtige Mauerringe, einen Dom und das Peterskloster. 1392 wurde die 3. Universität Deutschlands in Erfurt gegründet. Die Blütezeit von Erfurt endete zu Beginn des 16. Jahrhunderts, was wirtschaftliche und politische Ursachen hatte.

Dominante Adelsgeschlechter im mittelalterlichen Thüringen waren die Wettiner und die Ludowinger. Über das Ende des Heiligen Römischen Reichs 1806 konnten nur die Ernestiner als Nachfahren der Wettiner sowie die nunmehr gefürsteten Reußen und Schwarzburger ihre Macht in Thüringen sichern. Sie regierten bis zum Ende der Monarchie 1918. Mit der Leipziger Teilung im Jahr 1485 wurden die wettinischen Lande auf die jüngeren Albertiner und die Ernestiner verteilt. Die Ernestiner übernahmen gleichzeitig die Kurwürde von den Wettinern. Zunächst herrschten die Ernestiner über große Teile von Thüringen, nur ein kleines Gebiet entlang der Unstrut gehörte den Albertinern.

Die Reformation zu Beginn des 16. Jahrhunderts rückte Thüringen ins Zentrum der deutschen Politik. Zunächst wohnte und studierte Martin Luther an der Universität in Erfurt, danach schrieb er in Wittenberg die Reformation. Der sächsische Kurfürst Friedrich der Weise versteckte ihn schließlich auf der Wartburg, wo er die Bibel ins Deutsche übersetzte. Als Folge der Reformation begann im Jahr 1525 der Bauernkrieg mit Zentrum in Mühlhausen und Frankenhausen. Der Schmalkaldische Krieg zwischen katholischer Reichsgewalt und protestantischen Fürsten begann in der Folge. Dieser endete 1547 mit der Wittenberger Kapitulation und einer Niederlage der Protestanten, die sächsische Kurwürde ging danach an die Albertiner über. Mit Aussterben der Henneberger im Jahr 1583 trat ein Erbvertrag in Kraft, durch welchen die Ernestiner zu beträchtlichem Besitz in Südthüringen kamen. Die Erfurter Teilung im Jahr 1572 brachte die fortwährende Zersplitterung des ernestinischen Besitzes in zahlreiche Herzogtümer mit sich und Thüringen versank in der politischen Bedeutungslosigkeit. Danach begann die Zeit des Humanismus in Thüringen, als "Musterstaat" galt Sachsen-Gotha wo Ernst der Fromme regierte, der als erstes Staatsoberhaupt der Welt die allgemeine Schulpflicht für Kinder bis zum 12. Lebensjahr einführte.

Erst Herzogin Anna Amalia und deren Sohn Carl August machten ab dem Jahr 1780 wieder auf die Region aufmerksam, indem Sie Persönlichkeiten wie Johann Wolfgang von Goethe oder Friedrich Schiller an ihren Hof riefen. So konnte sich dort die Weimarer Klassik als deutsche Version der klassischen Literaturbewegung etablieren. Zu dieser Zeit bildete sich an der Universität Jena ein Zentrum der deutschen Philosophie, auch die Jenaer Romantik war zu dieser Zeit stilprägend für ganz Deutschland. Durch den Reichsdeputationshauptschluss im Jahr 1803 verlor das Erzbistum Mainz seine Gebiete um Erfurt und das Eichsfeld, Mühlhausen und Nordhausen mussten Ihre Selbständigkeit aufgeben und wurden auf dem Wiener Kongress 1815 endgültig Preußen zugeteilt. Auch wurde Sachsen-Weimar-Eisenach zum einzigen Großherzogtum von Thüringen erhoben. Während der Napoleonischen Zeit kündigte sich auch die entscheidende Schlacht zwischen Franzosen und Preußen in Thüringen an, am 09.10.1806 kam es zur Schlacht bei Schleiz. Danach folgte das Gefecht bei Saalfeld und die entscheidende Schlacht bei Jena und Auerstedt am 14.10.1806, die Preußen verlor.

Beim Erfurter Fürstenkongress zwischen Frankreich und Russland im Jahr 1808 traf Goethe auf Napoléon und es bildeten sich erste Widerstandgruppen gegen die Herrschaft von Frankreich. Impulsgeber war wiederum die Universität Jena. Nachdem die napoleonische Herrschaft zu Ende ging, formierte sich 1815 in Jena die Urburschenschaft. Auch entstanden zu dieser Zeit erste liberale Verfassungen. Diese frühe Phase der Liberalität ging zu Ende, nachdem die Karlsbader Beschlüsse 1819 in Thüringen durchgesetzt waren.

Die kulturelle Blütezeit von Thüringen setzte sich fort, so entstand u.a. 1817 die Allgemeine Deutsche Bildungsanstalt in Rudolstadt, sowie 1840 die Gründung des ersten deutschen Kindergartens in Bad Blankenburg. Beide Einrichtungen entstanden unter dem Pädagogen Friedrich Fröbel. Ernst-Wilhelm Arnoldi gründete 1820 das deutsche Versicherungswesen (Gothaer Versicherung), 1826 folgte die Gründung des Bibliographischen Instituts durch Joseph Meyer. Zwischen 1811 und 1818 hatte auch das Bibliographische Institut & F.A. Brockhaus seinen Sitz in Altenburg, der erste Duden erschien im Jahr 1872 in Schleiz. Weiterhin erlebte Weimar eine Renaissance in seinem "Silbernen Zeitalter", bekannte Musiker (u.a. Franz Liszt) kamen an den Hof, ab 1860 etablierte sich die Weimarer Malerschule in der deutschen Malerei.

Der 1833 gegründete Zoll- und Handelsverein der Thüringischen Staaten beflügelte die Industrielle Revolution im Land, die erste Bahnlinie erreichte 1842 Thüringen, 1846 wurde mit der Thüringer Bahn die Hauptbahnlinie des Landes eröffnet. Die ostthüringische Textilindustrie um Gera erlebte einen Aufschwung ebenso die überall im Land verstreute Metallindustrie und die optische Industrie in Jena.

Eher unspektakulär verlief 1848 die Revolution in Thüringen, Zentren befanden sich in Eichsfeld und in Reuß. Folge war die Abdankung des Herzogs Joseph von Sachsen-Altenburg sowie des Fürsten Heinrich LXXII. von Reuß-Ebersdorf. Die Wünsche nach einem vereinten deutschen Staat blieben auch weiterhin präsent, so dass 1850 das Erfurter Unionsparlament einberufen wurde, was jedoch erfolglos verlief.

Während des Krieges zwischen Preußen und Österreich im Jahr 1866 standen die meisten Thüringer Staaten auf der Seite von Preußen, nur Sachsen-Meininger und Reuß (ältere Linie) waren mit Österreich verbündet. Daher wollte Bismarck die beiden Staaten nach Kriegsende in das Königreich Preußen eingliedern. Auf Intervention des Großherzogs Carl August von Weimar (Schwager des preußischen Königs) unterblieb dies jedoch, lediglich die Herrscher der beiden Staaten wurden abgesetzt.

Durch die Industrialisierung wurde Thüringen zur Wiege der Sozialdemokratie, in Eisenach gründeten August Bebel und Wilhelm Liebknecht 1869 die Sozialdemokratische Arbeiterpartei. Diese fusionierte 1875 in Gotha mit dem Allgemeinen Deutschen Arbeiterverein zur SPD, das Gothaer Programm und das Erfurter Programm legten danach die Ziele der sozialdemokratischen Politik in Deutschland fest.

Die Novemberrevolution, die sich dem 1. Weltkrieg anschloss, hatte unter Revolutionsführer Wilhelm Bock im Freistaat Sachsen-Gotha ihr thüringisches Zentrum, am 08.04.1917 wurde in Gotha die USPD gegründet. Zunächst dankten die 8 Monarchen von Thüringen zwischen dem 9. und 25. November 1917 ab, im Freistaat Sachsen-Gotha bildete sich ein kommunistischer Rat. Bis 1920 geriet Sachsen-Gotha in politische Auseinandersetzungen, auch herrschten bürgerkriegsähnliche Zustände. Besonders hervorzuheben sind hier die Morde von Mechterstädt von 1920. 1919 wurde in Weimar die Weimarer Verfassung erarbeitet und als 1. demokratische Verfassung für Gesamtdeutschland in Kraft gesetzt.

Nach Abdankung der Monarchen stand der Gründung eines einheitlichen Staats in Thüringen nichts mehr im Wege, es folgte die Gründung des Landes Thüringen am 01.05.1920. Politische und kulturelle Zerrissenheit prägten die Entwicklung des jungen Landes, was zur Stärkung der politischen Extremisten führte, auch die Gesellschaft war gespalten. Das Redeverbot von Adolf Hitler bestand zu dieser Zeit nicht in Thüringen, weshalb er in den 20er-Jahren immer wieder in Weimar Kundgebungen abhalten konnte.

Zur Bildung einer Landesregierung aus SPD und KPD kam es im Jahr 1923, diese führte zum Roten Oktober in Sachsen und Thüringen. Zur Belegung der beiden Ländern mit der Reichsexekution kam es am 29.10.1923 in Sachsen und am 06.11.1923 in Thüringen. Um die Regierung abzusetzen marschierte die Reichsabwehr ein, was auch zum Erfolg führte. Das nachfolgende Misstrauensvotum der SPD im Reichtag bewirkte den Sturz von Gustav Stresemann als Reichskanzler. Die 20er Jahre waren von politischem Stillstand und häufig wechselnden Landesregierungen geprägt, um 1930 etablierte sich mit der Baum-Frick-Regierung eine erste Landesregierung in Deutschland, an der die NSDAP beteiligt war. Nachdem die Nazis die Macht ergriffen hatten wurde Thüringen gleichgeschaltet und somit faktisch aufgehoben. Während der nationalsozialistischen Regierungszeit gab es in Thüringen 2 Konzentrationslager, das KZ Buchenwald (Weimar) und das KZ Dora Mittelbau (Nordhausen).

Der 2. Weltkrieg brachte Thüringen mäßige Schäden, nur Nordhausen wurde infolge britischer Luftangriffe im April 1945 beinahe vollständig zerstört, fast 8.800 Menschen kamen dabei ums Leben. Luftangriffe richteten auch in Erfurt, Gera, Jena, Weimar, Eisenbach und weiteren kleineren Städten Schäden an. Zwischen dem 1. und 16.04.1945 wurde Thüringen von den Amerikanern befreit und zum 01.07.1945 an die sowjetische Militärverwaltung übergeben. Thüringen wurde als Land wiederhergestellt und um den zuvor preußischen Regierungsbezirk Erfurt erweitert. 1952 wurde es von der DDR-Regierung aufgelöst, es folgten der Bezirk Erfurt, der Bezirk Gera und der Bezirk Suhl.

Ca. 24.000 Arbeiter, überwiegend in den Industriezentren Erfurt, Jena und Gera, beteiligten sich am Volkskaufstand vom 17.06.1953. Besonders hart traf Thüringen die am 13.08.1961 beginnende verstärkte Sicherung der Grenzen zwischen der DDR und der BRD. Einige im Grenzgebiet liegende Dörfer wurden zwangsumgesiedelt und abgerissen, andere durch Mauern geteilt. Auch kam es zur Umsiedelung einiger Familien durch die Stasi im Rahmen der Aktion Ungeziefer.

Am 19.03.1970 trafen sich erstmals Willy Brandt und Willi Stoph beim Erfurter Gipfeltreffen im Erfurter Hof. Massendemonstrationen gegen das SED-Regime begannen auch in Thüringen im Herbst 1989, die sich danach auf alle Städte des Landes ausweiteten. Im Zuge der deutschen Wiedervereinigung am 03.10.1990 wurde auch der Freistaat Thüringen wiedergegründet, der aus den Bezirken Erfurt, Gera und Suhl sowie aus Teilen der Bezirke Leipzig und Halle entstand. Am 10.01.1991 entschied sich der Landtag für Erfurt als Landeshauptstadt von Thüringen. Die Verfassung des Landes wurde am 25.10.1993 auf der Wartburg durch den Landtag verabschiedet und am 16.10.1994 in Kraft gesetzt.

Seit den ersten Landtagswahlen vom 14.10.1990 regiert die CDU, (von 1990 bis 1994 in Koalition mit der FDP), zunächst unter Ministerpräsident J. Duchac, seit Februar 1992 unter B. Vogel (beide CDU). Bei den Landtagswahlen vom 16.10.1994 wurde die CDU wieder stärkste Partei, gefolgt von SPD und PDS. Ministerpräsident Vogel wurde im Amt bestätigt und bildete eine Große Koalition mit der SPD. Nach den Landtagswahlen vom 12.09.1999 übernahm die CDU (nach dem Erreichen der absoluten Mehrheit) unter Ministerpräsident Vogel allein die Regierungsverantwortung, die PDS wurde erstmals zweitstärkste Partei. Anfang Juni 2003 erklärte Vogel seinen Rücktritt; sein Nachfolger wurde D. Althaus (ebenfalls CDU), der in den Landtagswahlen vom 13.06.2004 der CDU die absolute Mehrheit (der Mandate) und somit die weitere Alleinregierung sichern konnte.

Wirtschaft:

Besonders wichtig für die Wirtschaft von Thüringen sind die industrielle Produktion, die Landwirtschaft sowie der Fremdenverkehr. Industrie ist vor allem im südlichen Thüringer Becken entlang der Städtelinie Eisenach-Gotha-Erfurt-Weimar angesiedelt, weiterhin an den Rändern und im Vorland des Thüringer Waldes sowie in den Tälern von Saale und Weißer Elster.

Am umsatzstärksten ist die Nahrungsmittel- und Genussmittel Industrie gefolgt vom Straßenfahrzeugbau, der Herstellung von Metallerzeugnissen, der Elektrotechnik sowie der Herstellung von Gummi- und Kunststoffwaren. Von Bedeutung sind weiterhin die Kleineisen- und Werkzeugproduktion, die elektronische Industrie und der Gerätebau in Jena, die Pharmaindustrie, der Möbelbau sowie die Spielzeugindustrie.

Thüringen verfügt über Kalisalz Vorkommen und reichhaltige Baurohstoffe wie u.a. Kalk- und Sandstein. Vom umfangreichen Kalibergbau blieb nur ein Kalischacht in Unterbreizbach in Betrieb, der übrige Kaliabbau wurde wie der Uranerzbergbau und der Erzbergbau eingestellt, ebenso die Gewinnung von Braunkohle. Im Gebiet Probstzella-Lehesten-Wurzbach befinden sich Schieferbrüche.

Hauptgebiete des Ackerbaus (Zuckerrüben, Weizen und Gerste) sind das Thüringer Becken, die Orlasenke, die Goldene Aue und das Gebiet südlich von Altenburg. Weniger fruchtbare Gebiete werden für den Anbau von Kartoffeln, Hafer und Roggen genutzt. Im Unteren Eichsfeld und Werragebiet wird zusätzlich Tabak angebaut. Im Thüringer Wald, Thüringer Schiefergebirge und Harz erfolgen Grünlandnutzung und Forstwirtschaft. In den Tälern von Saale und Weißer Elster sowie am Rand des Kyffhäusers erfolgen in größerem Umfang Obst- und Gemüsebau, um Erfurt Gemüsebau und Blumenzucht.

Bedeutende Fremdenverkehrsgebiete sind Thüringer Wald, Thüringer Schiefergebirge (Schwarzatal) und Südharz. Der Thüringer Wald ist für den Wintersport wichtig. Thüringen hat bedeutende Kurorte wie Bad Liebenstein, Bad Berka, Bad Sulza und Bad Langensalza.

Die zentrale Lage macht Thüringen zu einem wichtigen Durchgangsland im West-Ost- und Nord-Süd-Verkehr. Nach der Wiedererlangung der deutschen Einheit wurden die zum Teil unterbrochenen Eisenbahn-, Autobahn- und Straßenverbindungen nach Hessen und Bayern wieder neu geknüpft (Werratalbahn zwischen Bad Salzungen und Gerstungen). Die Südharzautobahn Halle (Saale)-Göttingen ist im Bau, die Thüringer-Wald-Autobahn Erfurt-Schweinfurt/Suhl-Lichtenfels (ein 7,9 km langer Autotunnel zwischen Zella-Mehlis und Oberhof) wurde 2005 fertiggestellt. Wichtigster Eisenbahnknotenpunkt ist Erfurt, hier befindet sich auch ein internationaler Flughafen.


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